Welche Aufgaben muss ein Pflegedienst erfüllen? Welche Perspektiven gibt es für Pflegefachkräfte? Und wie steht es um den Fachkräftemangel? Antworten gibt Thomas Fischer, Pflegedienstleiter bei der essentis pflegedienst gmbh in Leipzig.

Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten hat ein Pflegedienst?

Unser Pflegedienst übernimmt als ambulanter Dienstleister die Versorgung und Betreuung der Klienten zu Hause. Wir unterscheiden dabei zwischen der Grund- und Behandlungspflege, Angeboten für Betreuungs- und Entlastungsleistungen, hauswirtschaftlichen Hilfen sowie Service- und Privatleistungen. Die Grundpflege umfasst die Basismaßnahmen der Pflege, dazu gehören unter anderem Hilfestellung im Rahmen der Körperpflege, Ernährung und Mobilität.

Bei der Behandlungspflege führen wir Tätigkeiten, wie Wechsel von Wundverbänden, Medikamentengabe, Blutzuckermessung oder Insulininjektion auf Anweisung des Arztes, aus. Unter die Behandlungspflege fällt zudem die 24-Stunden-Betreuung, auch häusliche Intensivpflege genannt. In enger Zusammenarbeit mit einem Palliativnotdienst versorgen wir Patienten, die palliativ pflegerisch versorgt werden müssen.

Betreuungs- und Entlastungsleistungen umfassen ein breites Spektrum. Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich dabei um die soziale Betreuung des Klienten, die auch Tagesausflüge beinhaltet und weitere Leistungen zur Entlastung pflegender Angehöriger. Wir beraten sie zu allgemeinen Aspekten der Pflege, bieten einen Hausnotruf an und vermitteln Dienstleistungen, wie beispielsweise mobile Frisöre oder Essen auf Rädern.

Was ist das Spannendste an diesem Job?

Die Abwechslung. Jeder Tag bringt eine neue Herausforderung, der man sich stellt. Spannend ist auch die Weiterentwicklung des Pflegedienstes, um noch besser auf die zukünftigen Bedürfnisse der Klienten eingehen zu können. Ich als Pflegedienstleiter koordiniere derzeit zehn Mitarbeiter.

Aus welchen Gründen haben Sie sich für dieses Berufsfeld entschieden?

Ausschlaggebend war mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Altenpflege. Während des FSJ habe ich das komplette Berufsfeld kennengelernt und mich dann für eine Ausbildung zum Altenpfleger entschieden. Diese habe ich von 2006 bis 2009 absolviert. Anschließend leistete ich meinen Zivildienst bei einem Blutspendedienst. Ab April 2010 arbeitete ich schließlich als Pflegefachkraft und übernahm in den weiteren Jahren immer mehr Verantwortung in diesem Arbeitsfeld. Ich war Hygienebeauftragter in einer Pflegeeinrichtung und qualifizierte mich über die stellvertretende Wohnbereichsleitung bis zum Wohnbereichsleiter. Währenddessen absolvierte ich erfolgreich die Weiterbildung zum Pflegedienstleiter bei den WBS SCHULEN. Seit 2014 bin ich nun Pflegedienstleiter beim essentis pflegedienst in Leipzig.

Was sollten Bewerber in Pflegeberufen an Qualifikationen mitbringen?

Bewerber sollten, nach dem aktuellen Ausbildungsgesetz, mindestens einen Hauptschulabschluss mit zweijähriger Ausbildung haben oder einen höheren Schulabschluss besitzen. Wir arbeiten häufig mit Ärzten zusammen und müssen uns daher auch mit medizinischen Inhalten auseinandersetzen. Aus meiner Sicht sollte ein Bewerber daher unbedingt eine gute Auffassungsgabe mitbringen, um beispielsweise bestimmte Symptome zu erkennen und dann richtig zu handeln.

Welche persönlichen Voraussetzungen sollten Mitarbeiter in der Pflege erfüllen?

In der Pflege hat man mit Menschen verschiedener Mentalität und Nationalität zu tun. Sozialkompetenz, Menschlichkeit und Kommunikationsgeschick sind also Grundvoraussetzungen. Man sollte aufgeschlossen, weltoffen und kreativ sein und das gewisse Fingerspitzengefühl und Gespür für die passende Situation besitzen. Man sollte auch andere Meinungen akzeptieren können. Die Arbeit in der Pflege kann psychisch belastend sein, daher sollten Bewerber eine stabile Persönlichkeit besitzen.

Können Sie Ihren Personalbedarf in diesem Bereich gut decken?

Das ist eine spannende Herausforderung, vor allem vor dem Hintergrund der neuen generalisierten Pflegeausbildung, die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenfassen soll. Es wird interessant, für welches Tätigkeitsfeld sich die Auszubildenden nach dem Abschluss entscheiden. Grundsätzlich gehen wir die Personalfrage aktiv an, indem wir innerhalb des essentis pflegdienstes selbst ausbilden und Kooperationen mit ausbildenden Schulen pflegen. Zudem sind wir offen für Mitarbeiter aus anderen Ländern und hatten schon Auszubildende im Rahmen des EU-Projekts MobiPro.

Spielt es eine Rolle, ob ein Bewerber für einen Pflegeberuf seine Qualifikation über eine klassische Ausbildung oder über eine Umschulung erlangt hat?

Dies ist nicht entscheidend. Es kann von Vorteil sein, wenn der Bewerber bereits eine Ausbildung absolviert hat und Berufserfahrung sammeln konnte. Dies verschafft einem mehr Lebenserfahrung, welche in die tägliche Arbeit mit den Klienten einfließt.

Welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung haben Mitarbeiter in Ihrer Einrichtung?

Fortbildungen sind gesetzlich vorgeschrieben und man sollte dies auch im eigenen Interesse verfolgen. Daher steht fast jeden Monat eine Fortbildung zu verschiedenen Themen, wie zum Beispiel Wundversorgung oder Medikamentengabe, an. Höhere Qualifikationen, die gesetzlich nicht festgelegt sind, unterstützen wir darüber hinaus gern. Zwei unserer Mitarbeiter haben sich in Qualitäts- und Hygienemanagement weitergebildet. Ein anderer Mitarbeiter strebt eine Qualifikation zum Hospiz- und Palliativpfleger an. Natürlich sind in diesem Punkt auch immer die persönlichen Ziele des Mitarbeiters entscheidend, ob und wie man sich höher qualifiziert.

Was geben Sie jemandem mit auf den Weg, der in der Pflege arbeiten möchte?

Meine Empfehlung ist, im Vorfeld Erfahrungen durch Praktika im sozial-medizinischen Bereich zu sammeln, bevor man sich für eine Ausbildung oder Umschulung entscheidet. Jeder, der im Pflegebereich arbeiten möchte, sollte offen gegenüber Neuem sein – aufgeschlossen gegenüber den Menschen und den
Herausforderungen, die einem begegnen. Pflegeberufe sind zukunftsorientiert, abwechslungsreich und mit Blick auf die demografische Entwicklung ein stabiles Berufsfeld.

Sie möchten noch mehr über das berufsfeld Pflege und Gesundheit erfahren? Der aktuelle WBS JobReport Gesundheit, Pflege und Soziales informiert über Berufsbilder, Weiterbildungsmöglichkeiten und die aktuelle Arbeitsmarktsituation.

Ein Kommentar

  1. Jade Labrentz

    Danke für diese hilfreichen Tipps! Ich möchte im nächsten Jahr eine Pflegeausbildung machen weil ich gerne ältere Leute Pflege und mich mit ihnen beschäftige! Meinen Opa habe ich zusammen mit meiner Oma bis zu seinem letzten Tag gepflegt und jetzt würde ich gerne noch weiterhin gutes für diese Menschen machen. Ich gehe oft mit einer Freundin die schon in dem Bereich der Altenpflege arbeitet auf Hausbesuche und helfe ihr dabei, und sehe wie wohl sich die älteren in ihrem Haus fühlen und oft nicht dort weg wollen. Es bricht einem manchmal das Herz zu sehen wie alleine sie sind..Danke für diesen Beitrag!

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