Vom Geisteswissenschaftler zum Personalreferenten.

Geisteswissenschaftler sind in der Wirtschaft immer gefragter. Viele Unternehmen schätzen den interdisziplinären Blick der Quereinsteiger. Christian Kollotzek (29) aus Hannover ist dafür das beste Beispiel. Er hat einen Master in Politikwissenschaften erfolgreich absolviert und ist ausgebildeter Reserveoffizier der Feldjägertruppe bei der Bundeswehr. Nach seiner Dienstzeit war er zunächst arbeitssuchend. Diese Zeit nutzte Herr Kollotzek für eine Weiterbildung zum Personalreferenten bei dem Bildungsträger WBS TRAINING. Seit November 2016 arbeitet er im Personalwesen bei einem Lebensmitteldiscounter. Wir haben mit ihm über seine Erfolgsgeschichte gesprochen.

Herr Kollotzek, warum haben Sie sich für die Weiterbildung zum Personalreferenten entschieden?

Bevor ich arbeitslos wurde, war ich bei der Bundeswehr tätig. Dort habe ich erste Erfahrungen in der Personalführung gesammelt. Dabei habe ich festgestellt, dass mir diese Arbeit auch in Unternehmen Spaß machen würde. Allerdings war mir klar, dass ich dafür noch eine weitere Qualifikation benötigen würde. Ein nahtloser Übergang vom Personalmanagement im Staatsdienst zur freien Wirtschaft ist so nicht möglich. Es gibt viele Regelungen und Vorgaben, die ich damals noch nicht kannte. Meine Betreuerin in der Agentur für Arbeit empfahl mir deshalb die Weiterbildung zum Personalreferenten bei WBS, um in den Bereich Personalmanagement reinzuschnuppern und meine Lücken schließen zu können.

Was haben Sie vor Ihrer Weiterbildung gemacht?

Portraitfoto von Personalreferent-Trainee Christian Kollotzek
Personalreferent Christian Kollotzek

Vor der Weiterbildung habe ich Politikwissenschaft studiert und in regelmäßigen Abständen Reservedienstleistungen in einer Bundeswehreinheit in München absolviert. Als Offizier hatte ich ständig mit Personalfragen zu tun. In meiner Position waren mir zehn bis zwanzig Personen unterstellt, für die ich in vielfältigen Fragen erster Ansprechpartner war, beispielsweise bei der Urlaubsplanung der Soldaten. Mir wurde klar: Ich möchte in Sachen Personalmanagement breiter aufgestellt sein und so habe ich den Weg in die Wirtschaft gewählt. Als Geisteswissenschaftler sehe ich mich selbst nicht nur als Quereinsteiger, sondern auch als Querdenker. Ich habe meine eigene Sicht auf die Dinge, die ich produktiv mit betriebswirtschaftlichen Grundlagen verknüpfen kann.

Was war die wichtigste Erfahrung, die Sie während Ihrer Weiterbildung gemacht haben?

Inhaltlich hat mich an der Weiterbildung besonders das Thema Arbeitsrecht interessiert. Die rechtlichen Aspekte des Personalwesens wurden sehr umfassend vermittelt und davon habe ich im Nachhinein am meisten für meine jetzige praktische Tätigkeit profitiert. Auf das Wissen kann ich heute noch zurückgreifen und auch Kollegen Auskunft über aktuelle Rechtsprechungen im Arbeitsrecht geben. Das ist nicht nur für mich, sondern auch für meinen Betrieb sehr spannend. Darüber hinaus hat mich die Vielfalt an Persönlichkeiten im Kurs inspiriert: von Jung bis Alt, erfahren bis unerfahren waren sehr unterschiedliche Menschen vertreten. Es ist enorm viel wert, vom gegenseitigen Erfahrungsschatz zu schöpfen und sich zu unterstützen. Mit vielen Teilnehmern habe ich heute noch Kontakt, da hat der rege Austausch auch nach dem Ende der Weiterbildung keinen Abbruch gefunden. Mit einem Kursteilnehmer habe ich mich auch mal außerhalb der digitalen Lernplattform getroffen und wir haben dieses Jahr noch ein großes Treffen mit dem Kurs geplant.

Wie ging es nach der Weiterbildung beruflich für Sie weiter?

Nach der Weiterbildung war es für mich in erster Linie wichtig, einen Fuß in der Tür des Arbeitsmarktes zu haben. Ein Berufseinsteiger ohne praktische Erfahrung schreckt Arbeitgeber häufig ab, denn in meinem Lebenslauf stehen nur das Hochschulstudium und meine Tätigkeit bei der Bundeswehr. Während der Weiterbildung habe ich mich parallel schon auf unterschiedliche Stellen beworben. Über ein Onlineportal bin ich auf eine Stellenausschreibung in der Personalentwicklung eines renommierten Lebensmitteldiscounters gestoßen. Ich habe gesehen, dass das Unternehmen zeitnah einen Stand auf der „jobmesse Hannover“ hat und habe die Messe besucht, um noch mehr über die Stelle und das Unternehmen zu erfahren.

Dort traf ich zufällig Frau Weihrauch, eine Mitarbeiterin der WBS Hannover, die mir empfohlen hat, mich konkret nach dem Arbeitsklima und den Arbeitsbedingungen, wie z. B. den Arbeitszeiten, zu erkundigen. Dank dieser Hinweise und meiner Fragen, kam ich schnell mit den Mitarbeitern des Discounters ins Gespräch. Eine Woche später wurde ich tatsächlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen und eine weitere Woche darauf war ich schon Trainee in der Personalabteilung. Durch den persönlichen Kontakt über die Messe hatte ich bereits ein paar Antworten für das Vorstellungsgespräch parat. Das hat mir noch einmal gezeigt, wie wichtig ein Netzwerk und Kontakte knüpfen ist, zum Beispiel auch über Xing.

Wie haben Sie sich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet?

Ich habe mich gar nicht so intensiv auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet. Entweder passe ich zum Unternehmen oder es soll einfach nicht sein. Ich habe mir gedacht, wenn ich schon so interessant für das Unternehmen bin, dass ich eingeladen werde, dann kann es nicht an meinen fachlichen Qualifikationen scheitern. Da wird vornehmlich geschaut, ob man auch menschlich in das Team passt. Dies war auch mein erstes und einziges Vorstellungsgespräch. Wenn es nicht geklappt hätte, wäre ich auf das WBS-Angebot WBS JobService Plus zurückgekommen und hätte zum Beispiel noch einmal an einem kostenlosen Bewerbungscoaching teilgenommen.

Welche Tipps würden Sie Bewerbern geben?

Mein Tipp an Bewerber ist, nicht bei den Unternehmen anzurufen und nach dem Stand der Bewerbung zu fragen. Meiner Erfahrung nach kommt das nicht so gut an, denn die Personalabteilung hat ja auch noch anderes zu tun, als den Stand der Bewerbung durchzugeben. Beim Vorstellungsgespräch kann ich nur raten: Sich selbst treu zu bleiben und auch mit den eigenen Schwächen und schwierigen Themen offen und ehrlich umzugehen. In diesen Situationen wird einem oft hoch angerechnet, wenn man authentisch bleibt. Wenn es nicht klappt, dann war es auch nicht die richtige Stelle für einen.

Entspricht die Stelle Ihren Vorstellungen?

Die Traineestelle bei dem Lebensmitteldiscounter ist für mich ein super Einstieg in das Berufsleben. Ich bekomme einen professionellen Überblick in die Arbeit einer Personalabteilung und habe schon jetzt sehr viel über den Beruf des Personalreferenten gelernt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bekomme ich sehr viel Verantwortung übertragen und kann in vielerlei Hinsicht meine Ideen einbringen. Ich wüsste so spontan wirklich nicht, was ich verbessern würde.

Was sind genau Ihre Aufgaben als Trainee?

Ich laufe die ganze Zeit im Tagesgeschäft mit und bekomme von der jetzigen Personalreferentin eigene Projekte übertragen. Toll ist, dass ich als Trainee auch die Freiheit habe, in andere Bereiche zu schnuppern. So lerne ich das ganze Unternehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennen. In meiner Position kann ich immer wieder Verantwortung übernehmen, aber besitze sie nicht per se. Die Projektarbeit und der Einblick in die verschiedenen Bereiche gefallen mir besonders gut. Die Traineestelle ist auf vierzehn Monate befristet, danach ist meine Übernahme geplant. Ab Januar 2018 kann ich dann richtig durchstarten.

Würden Sie die Weiterbildung weiterempfehlen? Und wenn ja, warum?

Ich empfehle die Weiterbildung zum Personalreferenten auf jeden Fall weiter. Meine Chefin sagt immer: Sie haben bei der WBS die Theorie gelernt und bei uns verknüpfen Sie Ihr Wissen mit der Praxis. Ich habe meinen Ordner von der WBS-Weiterbildung immer dabei, um gewisse Dinge mal nachschlagen zu können. Auf der Arbeit begegnet mir nie etwas komplett Neues und ich kann immer auf das Wissen der Weiterbildung zurückgreifen.

Herr Kollotzek, vielen Dank für das Gespräch.

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