Social Networking: Netzwerke für Selbstständige.

Im Privat- und Berufsleben kommunizieren wir zunehmend über soziale, digitale Netzwerke: Ob via Skype mit Kollegen, mit Kooperationspartnern über die Karriereplattformen Xing oder LinkedIn oder mit Freunden über Whatsapp oder Facebook. Dabei steckt das Internet und damit die allgegenwärtige Möglichkeit, sich mit anderen zu vernetzen, griffbereit in unserer Jackentasche. Gerade für angehende Selbstständige oder Gründer kann die Netzwerkarbeit zum Vollzeitjob werden. Denn ohne die richtigen Kontakte geht ja bekanntlich nichts. Hier berichten wir über Netzwerke für Selbstständige und darüber, wie „sozial“ die gegenwärtigen sozialen Netzwerke eigentlich sind.

Netzwerke für Selbstständige per Klick: Mediennutzung am Tag.

Morgens erst einmal einen Kaffee – oder doch der Griff zum Handy? Kaum können wir unsere Augen öffnen, werden sie vor einen Bildschirm gesetzt. So verbringen wir z. B. in Deutschland im Durchschnitt fünf Stunden unseres Tages vor dem Computer (Wochenenden mit einberechnet) und zusätzlich eine Stunde mit dem Smartphone. Die durchschnittliche Fernsehzeit kommt mit durchschnittlich zweieinhalb Stunden pro Tag noch dazu. Besonders auffällig: Über eine Stunde nutzen wir täglich die Option, mit anderen Menschen über soziale Netzwerke zu interagieren.

Wenn man alle Medien zusammenzählt, sind wir im Durchschnitt in Deutschland über achteinhalb Stunden unseres Tages damit beschäftigt, uns über digitale Geräte zu informieren, zu arbeiten, auszutauschen oder uns Ablenkung zu verschaffen.

Social Networking: Netzwerke für Selbstständige.
Tägliche Mediennutzung in Deutschland, Januar 2017. Quelle © We Are Social / Hoot Suite / global web index.

„Soziale“ Netzwerke für Selbstständige?

Doch inwiefern üben wir eine soziale Handlung aus, wenn wir uns täglich über eine Stunde in sozialen Netzwerken bewegen? Studien aus den USA und Großbritannien zeigen, dass die Mehrheit aller Nutzer zwischen 16 und 64 Jahren soziale Netzwerke verwendet, um sich beruflich zu vernetzen oder um auf ihre Arbeit – z. B. als Freiberufler – aufmerksam zu machen. Oder sich einzuloggen, um nichts Wichtiges zu verpassen und auf dem Laufenden zu bleiben. Einen weiteren Zuwachs hat der einfache Grund, dass „alle“ mittlerweile online seien, der eigene Freundeskreis also potentiell über soziale Netzwerke interagieren könnte. Zudem ist das Füllen alltäglicher Wartepausen ein häufiger Grund für die Nutzung sozialer Netzwerke. Im Vergleich von 2016 zu 2014 wird die digitale Kommunikation somit deutlich weniger genutzt, um persönliche Informationen auszutauschen oder mit engen Freunden in Kontakt zu bleiben. Ein Treffen mit realem Blickkontakt können soziale Netzwerke bisher für die meisten Nutzer nicht ersetzen.

Social Networking: Netzwerke für Selbstständige.
Veränderung der Nutzung von sozialen Netzwerken im Vergleich 2014 zu 2016. Quelle: global web index.

Netzwerke gründen und nutzen.

Wie diese Studien zeigen, werden gerade die sozialen Vernetzungsplattformen immer häufiger für berufliche Zwecke anstatt für den privaten Austausch genutzt. Der Begriff des “Netzwerkens” geht dadurch immer mehr in Richtung des Business Networking, worauf sich Karriere-Plattformen wie Xing oder LinkedIn spezialisiert haben. Digitale Netzwerke können aber auch anderen Zwecken dienen, als berufliche Interessen zusammenzubringen oder die Kundenreichweite für Firmen zu vergrößern. Sie bieten darüberhinaus die Möglichkeit, interaktive Wissens- und Kommunikationsplattformen aufzubauen, politische Partizipation zu ermöglichen, Ressourcen zu organisieren und interdisziplinäre Kooperationen zu fördern. Denn Menschen miteinander zu vernetzen wird durch die Digitalisierung so einfach wie nie zuvor. Ein Vorteil, den gerade Berufsgruppen, die auf ein gut ausgebautes Netzwerk angewiesen sind, für sich nutzen können. Wir haben einige interessante Netzwerkinitiativen für Selbstständige zusammengestellt.

Lokale Netzwerke für Selbstständige: “Netzwerk Seenplatte” im Kurzportrait.

Als Judith Kenk im April 2017 vor dem Schritt in ihre berufliche Selbstständigkeit stand, hatte sie das Bedürfnis, sich mit anderen Freiberufler in der Region rund um die Mecklenburgische Seenplatte über ihre Berufserfahrungen auszutauschen. Sie wollte sich vernetzen, um Kooperationspartner ausfindig und auf das Potential ihrer Region aufmerksam zu machen. Somit wurde die selbstständige Social Media Managerin kurzerhand selbst zur Netzwerkgründerin und rief das “Netzwerk Seenplatte” ins Leben. Die entscheidene Idee kam ihr bei ihrer Weiterbildung zur Social Media Managerin und zur Online Redakteurin bei WBS TRAINING.

Netzwerke für Selbstständige
Judith Kenk hat das “Netzwerk Seenplatte” für Freiberufler und Gründer in Mecklenburg-Vorpommern 2017 gegründet.

Um Mitglieder zu aquirieren, stellte Judith Kenk ihre Netzwerkidee bei dem bereits bestehenden, regionalen Netzwerktreffen der KreativeMV vor. Aufgrund der hohen Resonanz legte sie mehrere Vernetzungskanäle an, wie einen Mailverteiler und eine Facebook-Gruppe für aktive Mitglieder. Kurz darauf kam eine eigenständige Webseite für ihre Initiative hinzu. Mittlerweile vernetzen sich Selbstständige aus den unterschiedlichsten Disziplinen über das “Netzwerk Seenplatte”. Das Herzstück ihrer Netzwerkarbeit sind die analogen Treffen, bei denen einzelne Mitglieder sich und ihre Arbeit vor Ort vorstellen können. Dadurch werden Kooperationen realisiert und es entsteht ein gemeinsames Wissen darüber, welche Ressourcen und Services in der eigenen Region vorhanden sind. Das Netzwerk fördert aber auch die Vernetzung mit anderen regionalen Interessenverbänden. Für die Zukunft wünscht sich Judith Kenk, das Netzwerk weiterhin so organisch wachsen zu lassen. Außerdem möchte sie es als Ansprechpartner für Verbände und Institutionen auf kommunaler und Landesebene etablieren. Das “Netzwerk Seenplatte” lenkt die Aufmerksamkeit auf das Potential des ländlichen Raumes, daher auch das Motto: “Wo wir sind, ist vorne.”

Hier gibt es das Interview mit der Gründerin Judith Kenk zu ihrer Netzwerkinitiative in voller Länge.

Spezialisierte Netzwerke für Selbstständige und Jobbörsen.

Gerade im Zuge der Gleichstellung von Frauen und Männern werden immer mehr Netzwerke für Selbstständige von und für Frauen gegründet. Zwei herausragende Beispiele dafür sind zum einen die Karriereplattform für selbstständige Mütter mompreneurs und die Community Edition F, die viele Praxistipps für Selbstständige bereithält. Beide Initiativen möchten Frauen stärken, sich beruflich zu verwirklichen. Sie verhelfen ihnen dazu, sich selbstständig eine Infrastruktur aus Projektpartnern aufzubauen. Über die regelmäßigen Netzwerktreffen und die Erstellung von Profilen der Unternehmerinnen entstehen Communities, die sich gemeinsam voran bringen und sich gegenseitig Unterstützung bieten. Neben dieser Akquise aus sozialen Kontakten und Inspirationsquellen für die eigene Arbeit, können spezialisierte Jobbörsen die Akquise von Aufträgen erleichtern, wie zum Beispiel über die Plattform Freelancer. Hier können Freiberuflerentweder Projekte suchen oder über ihr eigenes Profil von Unternehmen oder anderen Kooperationspartnern kontaktiert werden. Blogs wie Gründerstory geben einen Einblick in den Arbeitsalltag von Selbstständigen und teilen wichtige Informationen zu Finanzierungskonzepten.

Vom Networking zur Community.

Wie diese Iniativen zeigen, bietet das Internet Selbstständigen und Gründer viele Möglichkeiten, neue kollektive Kommunikationskanäle- und plattformen zu entwickeln. So entstehen tatsächlich „soziale“ Netzwerke, die aus einem individuellen Bedürfnis nach mehr Austauschmöglichkeiten und Kooperationen initiiert wurden, um dann über digitale Plattformen und Netzwerke ihre Reichweite zu vergrößern. Netzwerke verknüpfen Erfahrungen von Einzelpersonen zu einem kollektiven Erfahrungspool, aus dem jeder Einzelne gleichzeitig geben und nehmen kann. Gerade in unserer digitalen Welt wird diese Form von Netzwerken, die aus einem sozialen Bedürfnis heraus entstanden sind und eine aktive Community bilden, immer wichtiger. Sie verknüpfen beide Welten – die analoge und die digitale – miteinander und bringen uns auch dazu, unsere Mediennutzung bewusster zu reflektieren.

Artikelbild von rawpixel.com

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