Autorin: Iris Meinel, Bewerbungscoach

In meiner Tätigkeit als Coach, speziell als Bewerbungscoach, erlebe ich immer wieder Bewerber, die in Sachen Lebenslauf stets in die gleiche Falle tappen: Sie stellen heraus, wie oft sie arbeitslos waren, welche Fehlzeiten sie hatten und bewerten häufige Unternehmenswechsel eher negativ. Doch diese Darstellung hilft weder bei der schriftlichen Bewerbung bei einem potentiellen Arbeitgeber, noch erhöht es die Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Eine negative Einstellung zum Leben prägt unser Selbstwertgefühl und letztendlich unser gesamtes Auftreten. Das merkt sich unser Unterbewusstsein. Auch wenn nicht alles glatt läuft im Leben: Jede Medaille hat zwei Seiten. So können wir die andere Seite ebenso nutzen, um unser Selbstwertgefühl zu steigern. Statt Trübsal zu blasen, können wir uns auf die positiven Dinge im Leben konzentrieren. Denn kleine Glücksmomente prägen sich genauso in unser Unterbewusstsein ein. Und noch besser: Werden sie gepflegt, können Sie uns kleine Flügel verleihen. Privat und beruflich.

Bleibt die Frage:  Wie kann ich die Einstellung zu mir selbst mit kleinen Glücksmomenten ändern?

Eine Königsübung für mehr Glück – ein Glückstagebuch

Dazu ein kleiner Exkurs: Der Psychiater Giovanni Fava erzielte bei der Behandlung depressiver Menschen durch eine einfache Übung erstaunliche Erfolge: Er ließ die Patienten ein Büchlein führen, in dem sie alle Augenblicke der Freude notieren sollten. Und er ging noch einen Schritt weiter: Bei jedem freudigen Anlass sollten die Patienten auch auf ihre negativen Gedanken achten. Beispielweise wurde dokumentiert, wenn auf die Übergabe eines Geschenks — ein eigentlich freudiges Ereignis — der Gedanke folgte: „Wie soll ich das wiedergutmachen?“ Nach einigen Wochen erkannten die Patienten, wie oft sie sich selbst in die schmackhafte Suppe spuckten.

Schreiben Sie Ihr eigenes Glückstagebuch

Fazit: Wir sollten uns auf die positiven Dinge in unserem Leben besinnen und diese am besten aufschreiben. Vor allem mit dem Fokus auf die kleineren, alltäglichen Glücksmomente, denn diese machen uns langfristig zufriedener, als die Ausreißer nach oben bei besonders tollen Erlebnissen.

Beispiele für kleine Glücksmomente:

  • Der erste Kaffee am Morgen
  • Die leckeren Brötchen
  • Das Lachen der Kinder
  • Die wohlige Wärme der Sonne
  • Der Computer, der funktioniert
  • Die Pause auf einer Parkbank
  • Ein Lob vom Partner
  • Die verstandene Aufgabe
  • Gesang unter der Dusche
  • Das gute Buch
  • Das unerwartete Lächeln
  • Das Treffen mit einem Freund
  • Weintrauben essen
  • Ein Kuss
  • Ein Vollbad
  • Vogelgezwitscher, das ich bemerke

Und so wird‘s gemacht:

  1. Kaufen Sie sich ein Glückstagebuch. Ihr Glücktagebuch kann ein Buch sein, das Ihnen bereits Freude macht, wenn Sie es nur in die Hand nehmen und die richtige Größe hat, um es überall mitnehmen zu können. Tipp: Das Format DIN A6 passt in viele Hosentaschen. Hängen Sie sich einen Kugelschreiber daran, damit Sie immer gerüstet sind.
  2. Notieren Sie täglich mindestens 3 Glücksmomente.
  3. Mögliche Erweiterung: Machen Sie sich Gedanken, was Sie an jedem Tag dazugelernt haben

Wenden Sie das Glückstagebuch auf Ihren Bewerbungsprozess an

Angenehmer Nebeneffekt des Glückstagebuches: Sie werden bei der Bewusstmachung des alltäglichen Glücks immer wieder Gefühle der Dankbarkeit verspüren. Probieren Sie es einfach einmal aus, jedoch für mindestens 7 Wochen, die braucht es für eine innere, positive Veränderung des Selbstwertgefühls. Was wir für unser persönliches Selbstwertgefühl tun, spiegelt sich automatisch in unserem beruflichen wider – und umgekehrt. So werden Sie sich mit ein bisschen Übung auch in einem Lebenslauf oder in einem Vorstellungsgespräch auf das Positive ausrichten.

Ändern Sie die Perspektive: Wie haben Sie die Zeit der Arbeitsuche genutzt? Hatten Sie einen Minijob oder haben Sie eine Weiterbildung gemacht? Haben Sie sich um Angehörige oder Ihre Kinder gekümmert? Haben Sie sich ehrenamtlich engagiert? Das alles können Sie in Ihren Lebenslauf schreiben. Oder erklären Sie zukünftigen Arbeitgebern wie es zu den häufigen Jobwechseln kam. Ging die Firma insolvent? Wurde Ihr Vertrag nicht verlängert? All diese Informationen können im Lebenslauf genannt werden.

Iris Meinel ist u. a. Bewerbungscoach bei WBS TRAINING und unterstützt Menschen mit Rat und Tat bei ihrem individuellen Bewerbungsprozess. Erfahren Sie hier mehr über die Autorin.

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