„Ich mache irgendwas mit Medien.“ – Dieser Satz erscheint in der heutigen Zeit wie eine eigene Berufsbezeichnung. Wer jedoch gezielt einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter im Bereich Medien anstrebt, für den sind die Aufstiegsfortbildungen zum Medienfachwirt/-in Print oder Medienfachwirt/-in Digital interessant. Wir haben mit dem freien Honorartrainer Jörg Ewald gesprochen. Seit 20 Jahren ist er Trainer für Fortbildungsberufe im kaufmännischen Bereich und bereitet insbesondere angehende Medienfachwirte auf ihre Abschlussprüfung vor. Der Diplom-Betriebswirt hat eine Ausbildung zum Industrie- und Personalfachkaufmann absolviert und sammelte bereits selbst Erfahrungen im Prüfungsausschuss einer Industrie- und Handelskammer (IHK).

Was hat Sie als Experte für betriebswirtschaftliche Fortbildungen dazu bewogen, im Bereich Medien auszubilden?

Als Trainer für Weiterbildungen von kaufmännischen Berufen hatte ich bereits 2010 mit Fortbildungen im Bereich Medien erste Berührungspunkte, weil ich den Meister Veranstaltungstechnik im fachübergreifenden Teil unterrichtet habe. Bereits damals war mir klar, dass Medienberufe im Vergleich zu betriebswirtschaftlichen Fortbildungen ganz andere Inhalte behandeln. So sah ich den Bereich als neue Herausforderung, denn bei Medienfachwirten ist eine andere Perspektive auf Ökonomie und BWL gefragt als im klassischen kaufmännischen Bereich.

Was sind die größten Herausforderungen, denen sich angehende Medienfachwirte stellen müssen?

WBS Aufstiegsfortbildung: Trainer Jörg Ewald
Trainer Jörg Ewald

Die Herausforderung bei einem Medienfachwirt liegt in der Verknüpfung von Wirtschaftlichkeit und Kreativität. Die Kreativ- und Medienbranche wird zunehmend unter Druck gesetzt, ökonomisch effizient zu agieren. Ich vermittle in der Fortbildung betriebswirtschaftliche Methoden, die sich schon immer bewährt haben, wie z. B. Kostenkalkulationen. Im kreativen Bereich geht es nicht nur um die Darstellung von Produkten in Print und Digital, sondern um die gesamte Dienstleistung inklusive der Erstellung einer Kampagne für den Kunden. Kreative Leute schießen häufig über das Ziel hinaus und entwickeln aufwendige Ideen, die jedoch nicht vereinbar mit den realistischen Kostenvorstellungen des Kunden sind. Die Kombination aus der kreativen Idee und einer kostengünstigen Umsetzung ist allerdings ausschlaggebend für die Kundenzufriedenheit.

Die Kreativ- und Medienbranche wird zunehmend unter Druck gesetzt, ökonomisch effizient zu agieren.

Angehende Medienfachwirte kommen größtenteils aus den klassischen Print- und den digitalen Medien, es gibt aber auch viele Quereinsteiger. Das zeigt, dass Kreativität nicht an eine Ausbildung, z.B. zum Mediengestalter gebunden ist, sondern in vielen anderen Bereichen zur Problemlösung dient. Und alle werden sich früher oder später die Frage stellen: Wie kann man Kreativität bezahlen? Wie kann man die kreative Dienstleistung angemessen verrechnen? Da habe ich festgestellt, dass die Vermittlung der Kombination von Kreativität und Wirtschaftlichkeit hilfreich und ein wesentlicher Bestandteil der Fortbildung zum Medienfachwirt ist.

Die Medienwelt ist im ständigen Wandel. Was kann eine Aufstiegsfortbildung zum Medienfachwirt Digital in diesem Zusammenhang leisten?

Wer in der Medienbranche Fuß fassen möchte, muss sich in Zeiten des digitalen Wandels auf ein lebenslanges Lernen einstellen. Die sich schnell verändernde Technik schafft neue Inhalte für Medienfachwirte, die sich auch in den Abschlussarbeiten und den Prüfungsthemen der Teilnehmer widerspiegeln. Hier orientiert sich der Prüfungsausschuss an aktuellen Trends des Arbeitsmarktes.
Eine Abschlussarbeit, die ich kürzlich gesehen habe, behandelte beispielsweise die Verwendung interaktiver Infotafeln im Zoo. Bei der Umsetzung der Aufgabe musste der Prüfling sich fragen: Wie kann ich die Informationen über die Zootiere digital vermitteln und mit den Zoobesuchern interagieren?

Medienfachwirte entwickeln heutzutage digitale Schnittstellen in allen Bereichen, denn die Digitalisierung wird sich überall durchsetzen – selbst bei einem Besuch im Zoo.

Gerade für die jüngeren Generationen müssen Informationen interessant aufgearbeitet werden, wenn sie ständig mit einem Handy vor der Nase durch die Gegend laufen. Medienfachwirte entwickeln digitale Schnittstellen in allen Bereichen, denn die Digitalisierung wird sich überall durchsetzen – selbst bei einem Besuch im Zoo.
Weitere Beispiele aus den Prüfungen zeigen die Vielfältigkeit des Berufsbildes: Da ging es um die Vermarktung eines Handys, die Konzeption einer digitalen Karte über Vertriebswege von Fischprodukten oder die Entwicklung einer Software für ein Reha-Zentrum, damit Patienten am Computer arbeiten können. Für einen Medienfachwirt im digitalen Bereich sind kreative Lösungsansätze wichtig, um Nutzerfreundlichkeit und Design innovativ miteinander zu verbinden. Die Produkte sind längst nicht mehr nur klassische Plakatwände oder Flyer, sondern können im digitalen Bereich ganz unterschiedlich ausfallen. Den angehenden Medienfachwirten wird in der Fortbildung vermittelt, wie sie dem Kunden eine passende Lösung anbieten – egal, um welches Produkt es sich handelt.

Wie sieht die IHK-Abschlussprüfung aus, was passiert im theoretischen Teil?

Für die Aufstiegsfortbildung Medienfachwirt Digital und Medienfachwirt Print gibt es einen theoretischen und einen praktischen Teil der Prüfung vor einer Industrie- und Handelskammer (IHK). Im theoretischen Teil werden grundlegende Qualifikationen wie Recht, BWL, Information und Kommunikation im Betrieb schriftlich abgefragt. Im zweiten Teil der Theorieprüfung werden handlungsspezifische Qualifikationen in den Fächern Medienproduktion und Projektmanagement sowie Führung und Organisation in handlungsorientierten Aufgaben geprüft. Während im Fach Medienproduktion Aufgaben zum Thema Medienrecht, z.B. Urheberrecht für Ton, abgefragt werden, behandelt das Fach Führung und Organisation klassische Themen des Personalmanagements, z.B. Führungsstrategien, Marketing und Kosten- und Leistungsaktivitäten im Projektmanagement.

Was ist eine handlungsorientierte Aufgabe?

Handlungsorientierte Aufgabe bedeutet, dass die Teilnehmer in einer schriftlichen Prüfung bestimmte Situationen aus dem Berufsalltag eines Medienfachwirtes vorgelegt bekommen, Entscheidungen treffen und anschließend begründen müssen. Eine Aufgabe könnte beispielsweise die Nachkalkulation für eine Ergebnisfeststellung sein. Die Prüflinge bekommen einen fiktiven Projektverlauf vorgestellt und müssen entscheiden: Hat der Kunde bekommen, was er wollte und hat sich das Projekt von den Kosten für das Unternehmen gelohnt?

Was erwartet die Teilnehmer in der praktischen Prüfung?

Im Rahmen der praktischen Prüfung erhalten die Prüflinge eine Aufgabe, die die gesamte Planung eines realistischen Projekts beinhaltet. Das Thema gibt die IHK vor. Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Prüflinge ihr Thema selbst wählen dürfen. Das ist immer von Kammer zu Kammer unterschiedlich. Die angehenden Medienfachwirte haben insgesamt vier Wochen Zeit, um eine Projektdokumentation von 30 bis 50 Seiten zu erstellen und zu präsentieren. Die Abschlusspräsentation ähnelt einem Kundengespräch, bei dem der Prüfungsausschuss die Zielgruppe des Produkts darstellt. Dabei werden Fragen zu der kreativen Umsetzung der Idee, unter Berücksichtigung von Kosten, Zielgruppe und Vermarktung gestellt. Auch die Darstellung der Präsentation muss zur Zielgruppe passen. Ich empfehle immer, so authentisch wie möglich zu sein. Beispielsweise hat eine Teilnehmerin ihr Projekt auf 60 knallgrünen Folien präsentiert – das war ein wenig zu viel des Guten.

Wie schätzen Sie die Karrierechancen für Medienfachwirte ein?

Ein Vorteil der Abschlüsse Medienfachwirt Digital oder Medienfachwirt Print ist die bundeseinheitliche Prüfung vor der IHK. Mit einem IHK-Abschluss in der Tasche genießen die Medienfachwirte eine hohe Anerkennung bei potentiellen Arbeitsgebern und haben einen offiziellen Nachweis für ihr praktisches Können. Eine aktuelle Herausforderung ist allerdings, dass der Abschluss Fachwirt noch nicht einheitlich definiert ist. Der Medienfachwirt, der sein kreatives Wissen als Mediengestalter mit kaufmännischen Inhalten verbindet, ist für viele Unternehmen noch ein neuer Begriff.
Ich empfehle meinen Kursteilnehmern die Gesamtplanung der praktischen Prüfung als Arbeitsprobe der Bewerbung anzuhängen. Der potentielle Arbeitgeber bekommt so direkt einen konkreten Eindruck von den fachlichen Qualifikationen des Fachwirtes.

Wo können Medienfachwirte später arbeiten?

Ein möglicher Arbeitsbereich wäre das mittlere Management in einem Druckhaus. Hier können Medienfachwirte als Niederlassungsleiter oder -leiterin einer Filiale arbeiten. Dabei wären sie verantwortlich für die kaufmännische Situation der Filiale, aber auch für die Medienproduktion vom Kundenanruf bis zur fertigen Plakatwand. Als Allrounder sollten sie sich jeder Aufgabe gewachsen fühlen. Medienfachwirte halten die Fäden zusammen. Denn ihr breit aufgestelltes Wissen macht sie zum Ansprechpartner für den kreativen, technischen und betriebswirtschaftlichen Bereich eines Medien-Unternehmens.

Welchen Tipp haben Sie für alle, die sich für eine Aufstiegsfortbildung interessieren?

Ich empfehle allen potentiellen Medienfachwirten, zu Beginn eine saubere Zeitplanung festzulegen. Insgesamt müssen die Kursteilnehmer 650 Lernstunden in nur 18 Monaten absolvieren.  Das bedeutet 36 Stunden pro Monat, also mehr als eineinhalb Stunden Arbeitsaufwand pro Tag. Wer nebenbei arbeitet, muss die Zeit clever einteilen und ist eventuell auf die Rücksicht des Betriebes angewiesen, z. B. in Zeiten der Prüfungsvorbereitung. Für eine Aufstiegsfortbildung neben dem Beruf braucht man Durchhaltevermögen. Doch der Aufwand lohnt sich. Eine abgeschlossene Prüfung zum Medienfachwirt ist ein erheblicher Schritt auf der Karriereleiter. Man erhält Führungsqualifikationen für das mittlere Management und profitiert von neuen, spannenden Aufgaben in der Organisation von Medienproduktionen. Mit dem Knowhow ist man in der Lage, die kreative und wirtschaftlich rentable Realisierung eines Projekts zu verwirklichen. Diese Kompetenzen kann man in jedem Job gut gebrauchen.

Danke für das nette und sehr informative Gespräch.

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