Profilbild von Susanne Kämmner.
Susanne Kämmner (53) aus München

Ein Leben ohne Gehör bringt in alltäglichen Situationen viele Herausforderungen mit sich. Zum Glück können moderne Technologien wie das Cochlea-Implantat (kurz: CI) ihren Trägern helfen, über die Stimulation des Hörnerves wieder Höreindrücke zurückzuerlangen. Wie fühlt es sich an, nach einer längeren Zeit der Stille und Kommunikationsschwierigkeiten mit CIs das Hörverstehen erneut zu erlernen? Das, und wie ihr eine Weiterbildung dabei geholfen hat, erzählt Susanne Kämmner (53) aus München in ihrem Erfahrungsbericht. Sie nahm das Wagnis einer Online-Weiterbildung im Bereich Lohn-und Gehaltsbuchhaltung auf sich. Ihr Vorteil: Ein CI wurde ihr bereits ein Jahr zuvor in das rechte Ohr eingesetzt, wodurch ihr das Hören mit dem Implantat bereits vertraut war. Doch wie lässt sich mit neuem CI eine Weiterbildung meistern, die zu 80 Prozent über das pure Hörverstehen abläuft? Susanne Kämmners Erfahrung zeigt: Wer wagt, der wird belohnt.

Berührungsängste

Nach der Implantation ihres zweiten CIs packt Susanne Kämmner der Mut. Inspiriert durch den Zuspruch ihrer Reha-Ansprechspartnerin entscheidet sie sich, bereits einen Monat nach der Erstanpassung des neuen Hörsystems eine Vollzeitweiterbildung aufzunehmen. Und das, obwohl sie weiß, wie intensiv der Prozess des Eingewöhnens an das neue Hörempfinden ist:  Fast so, als würde sie eine neue Fremdsprache erlernen wollen. Doch beflügelt durch die Aussicht auf ein schnell wachsendes Sprachverstehen, beginnt die Suche nach einem Weiterbildungsanbieter, der sich auf ihre Situation einstellen kann. Leider stehen nicht alle ihrem Anliegen positiv gegenüber: „Die heftigste Zurückweisung eines Weiterbildungsanbieters war: `Mit Ihnen können wir hier nichts anfangen, Schwerhörige haben uns bisher nur Probleme bereitet´. Nach vielen weiteren Anfragen wird Susanne Kämmners Geduld endlich belohnt: „Die WBS TRAINING in München war die einzige Institution, die mir sofort vorgeschlagen hat: `Kommen Sie bei uns vorbei und probieren Sie es einfach aus!´“

„Yes, I can“

Der erste Eindruck vor Ort ist vielversprechend: Die Referent/-innen der WBS versuchen sich einerseits bestmöglich auf die Situation einzustellen, und andererseits auch Susanne Kämmner auf den Umgang mit den Teilnehmern vorzubereiten: „Das Beratungsgespräch war sehr angenehm, offen und ehrlich. Es wurde unterstrichen, dass andere Kursteilnehmer sich nicht durch mich gestört fühlen dürften, falls ich wie einige Schwerhörige etwas lauter spreche. Dies wurde sehr freundlich kommuniziert, die Direktheit habe ich wirklich geschätzt.“ Ein weiterer Vorteil: Sie kann die Online-Weiterbildung, bei der die Teilnehmer live mit ihren Dozenten in Kontakt treten, direkt am Standort in München oder von zu Hause aus absolvieren. Das macht Frau Kämmner zusätzlich Mut: „Es war schon sehr erleichternd, dass es im Notfall auch so problemlos eine Alternative gegeben hätte“.

Besser als jede Reha-Klinik

Als die Weiterbildung in München beginnt, merkt Susanne Kämmner schnell, dass das Absehen von den Lippen für das Verständnis der Inhalte keine mögliche Hilfestellung darstellt. Die Interaktionen mit ihrem Trainer und den Kursteilnehmern über Headset, Mikrofon und Bildschirm sind zu viele akustische Herausforderungen auf einmal. Einige Nebenwirkungen stellen sich recht schnell ein: „Innerhalb der ersten vier bis sechs Wochen habe ich die Konsequenzen meines Muts zu spüren bekommen. Kopf und Körper haben eindeutige Signale der Überforderung angezeigt, wie z.B. durch Schwindelanfälle. Das war sehr alarmierend. Darunter litt natürlich vor allem die Konzentration beim Lernen.“ Die Anforderungen an das eigene Hörverstehen werden überreizt, ermöglichen Susanne Kämmner aber auch im positiven Sinne, ihre eigenen Grenzen zu überschreiten. Hierbei hilft ihr zudem ein kleiner Trick: Mit den CIs kann sie in Kombination mit dem im Headset eingebauten Telespulen-Programm gezielter Hörsignale filtern. Damit wird es ihr möglich, alle Umgebungsgeräusche abzustellen, wodurch ein konzentrierteres Zuhören ohne Ablenkung kein Problem mehr darstellt. Am Ende ihrer viermonatigen Weiterbildung  kann sie ihre Erfolge spüren und hören: „Als zusätzlichen Bonus nehme ich aus dieser Zeit das unbezahlbare Geschenk meiner wiedergewonnenen Hörfähigkeiten mit dem CI-Implantat mit, die ohne dieses intensive Training niemals so ausgeprägt geworden wären. Diesen Entwicklungsfortschritt hätte mir keine Reha der Welt bescheren können.“

Voneinander Lernen

Aber nicht nur Susanne Kämmner hat etwas in dieser Zeit gelernt, auch ihre Referent/-innen der WBS haben durch die Erfahrung einiges an neuen Erkenntnissen dazugewonnen: „Ich wurde häufig mit viel positiver Neugierde gerade von Dozentenseite nach meinem Befinden und Erleben befragt. Ich habe gemerkt, dass auch das Team der WBS von mir als Teilnehmerin um neue Perspektiven bereichert wurde. Das hat mich sehr gefreut.“ Frau Kämmners Fazit bestätigt: Eine Online-Schulung bietet gerade für CI-Träger, die auch ohne das Ablesen von den Lippen gut zurechtkommen, eine hervorragende Möglichkeit der Weiterbildung. „Ich hoffe sehr, dass andere Anwender/-innen von CI-Systemen sich von meiner Erfahrungen ermutigen lassen, ihre Weiterbildung mutig selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht von unwirschen Weiterbildungsinstituten beirren zu lassen.“  Susanne Kämmner hat während ihrer Weiterbildung, die sie mit Auszeichnung bestanden hat, viel erreicht: Nicht nur neue Qualifikationen und damit bessere Jobchancen, sondern zudem ein neues Hörverständnis. Und damit etwas, von dem sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht erhofft hätte, dass es sie wieder so gut hören und damit auch kommunizieren lassen würde.

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