Höhenflüge beim Vorstellungsgespräch: Sei du selbst!

Der Mythos um die „Dos and Don’ts“ bei Vorstellungsgesprächen ist hartnäckig – und kann jedem Bewerber auf der Suche nach Ratschlägen schon mal die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn zaubern. Habe ich das richtige Outfit gewählt? Spreche ich zu schnell? Habe ich kluge Fragen gestellt? Alles Punkte, die jedem in dieser gefühlten Prüfungssituation durch den Kopf schießen und bei denen man sich mit der richtigen Vorbereitung Sicherheit verschaffen kann. Damit es dir gelingt, die beste Version von dir selbst zum Ausdruck zu bringen, ohne dich dabei verbiegen zu müssen, haben wir diese Checkliste für dein erfolgreiches Bewerbungsgespräch zusammengestellt.

Wer ist mein Gegenüber?

Um überhaupt über etwas ins Gespräch kommen zu können, müssen natürlich erstmal Informationen zum potentiellen Arbeitgeber eingeholt werden. Hier hilft es, aufmerksam die Unternehmenswebsite durchzuarbeiten, sprich:

  1. Wer sind die Gründer/-innen der Firma? Wann und mit welchem Ziel wurde diese gegründet?
  2. Gibt es eine Art Unternehmensphilosophie und wie lautet diese?
  3. Wie viele Mitarbeiter umfasst die Firma?
  4. Wie hoch ist der jährliche Gesamtumsatz?

Beim Faktenscan wirst du schnell merken, welche Informationen dir noch fehlen, um dein Bild zu vervollständigen, wie zum Beispiel:

  1. Was wird für die Mitarbeiterbindung im Unternehmen getan? (Weiterbildungsmöglichkeiten, Gesundheitsmanagement, Get-togethers)
  2. Welches Organisationsprinzip wird in der Firma angewendet (Hierarchiestrukturen: Agiles Arbeiten, Integrales System etc.)
  3. Wie sehen die Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Firma aus? (Gehaltsanpassung, individuelle Förderungsoptionen, Entwicklungsmöglichkeiten)
  4. Wie familienfreundlich ist das Unternehmen? (Teilzeit, Kita etc.)

Je nachdem, was du brauchst, um dich in einer Firma wohl zu fühlen, kannst du diese Fragen im Bewerbungsgespräch einbauen. Überlege dir, was dich glücklich macht und wie du deine Anforderungen am besten formulierst. Welcher Aspekt liegt dir besonders am Herzen? Das richtige Gehalt oder eine harmonische Atmosphäre am Arbeitsplatz? Oder beides? Zudem empfiehlt es sich, Erfahrungsberichte zum Unternehmen einzuholen, wie zum Beispiel über Kununu, einer Website, auf der ehemalige oder aktuelle Mitarbeiter ihre Firma bewerten. Halte deine Fragen in jedem Fall schriftlich fest und nimm sie als Gedankenstütze mit ins Gespräch. Damit schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe: Du stehst für deine Bedürfnisse ein und hast für das große Finale „Haben Sie denn noch Fragen an uns?“ deine Antworten bereits parat.

Wer möchte ich sein?

Und da wären wir wieder bei der besten Version von dir. Was kompliziert klingen mag, lässt sich ganz leicht auflösen: Sei einfach du selbst! Mit einem wichtigen Plus: Sei du selbst und sei dir dabei bewusst, wer du bist.

Kleiner Tipp: Am besten machst du dir zu den folgenden Fragen kurze Notizen. Räume gedanklich bei dir auf und entstaube alte Muster, indem du dich fragst:

  1. Wo möchte ich beruflich genau hin?
  2. Inwiefern verhilft mir diese Stelle dazu, meine Ziele zu erreichen?
  3. Welche meiner Stärken und Interessen kann ich innerhalb dieser Position einbringen und ausbauen?

Andersherum ist es beim Überprüfen der eigenen Selbstwahrnehmung wichtig, den Spieß umzudrehen:

  1. Wen sucht mein Gegenüber genau für diese Stelle und inwiefern passe ich dazu?
  2. Welche Anforderungen wurden in der Stellenausschreibung genannt und wie passen meine beruflichen Erfahrungen und mein Know-how speziell zu dieser Position?
  3. Worin bestehen Herausforderungen dieser Stelle an mich, wo kann ich mit meiner Berufserfahrung punkten?

Wenn du dir in diesen Aspekten deiner Eigenschaften und Einstellungen bewusst bist, wirst du den Fragen im Vorstellungsgespräch mit mehr Ruhe und Selbstsicherheit begegnen können. Denn letztlich muss die Chemie stimmen – auf beiden Seiten. Wenn du bei der Beantwortung dieser Fragen noch Schwierigkeiten hast, kann ein Bewerbungscoaching weiterhelfen. Hier hast du die Möglichkeit, vorhandene Zweifel und Unsicherheiten bezüglich deiner Berufserfahrungen mit einem professionellen Trainer zu besprechen und dein Stärkenprofil auszuformulieren.

Powerposen helfen dir, dich stark und selbstbewusst zu fühlen.

Was ziehe ich an?

Ein beliebtes Thema, wenn es um Bewerbungsgespräche geht, sind Dresscodes. Dass man nicht gerade im Hawaiihemd und kurzen Shorts aufkreuzen sollten, ist jedem klar. Dass man sich allerdings in seinem Outfit so locker und sicher fühlen sollte, als würde man ein Hawaiihemd tragen, wahrscheinlich eher nicht. Hier unsere Faustregeln:

  1. Du musst dich wohlfühlen! Was bringt es dir, wenn dein Hemd die ganze Zeit spannt? Oder du in deinem Sakko kaum atmen kannst? Zwäng dich nicht in eine Rolle hinein, die nicht zu dir passt.
  2. Stil: Eine Mischung aus leger und schick.
  3. Wähle beruhigende, klassische oder frische Farben. Finger weg von grellen Kontrasten.
  4. Deine Kleidung soll dich zum Wirken bringen, nicht andersherum. Wähle etwas Bequemes und Zeitloses, in dem du dir deiner Wirkung bewusst bist.
  5. Orientiere dich bei deiner Outfitwahl am dazugehörigen Unternehmen und der zu besetzenden Position.
    1. Dein zukünftiger Job ist in einer vorwiegend jungen, modernen Firma, die viel Wert auf Individualität legt? Dann such dir ein paar Stücke heraus, die dich und deinen Stil am besten repräsentieren.
    2. Du bewirbst dich in einer klassischen Firma mit langer Tradition? Dann fühlen sich eine schicke Stoffhose und ein bequemes, aber dennoch feines Hemd oder eine Bluse mit Blazer richtig an.

Du bist dir noch unsicher? Für solche Fälle gibt es bereits passende Checklisten, die für Übersicht sorgen. Die richtige Kleidung verleiht Sicherheit über die Rahmensituation und hilft dabei, sich in eine bestimmte Rolle zu versetzen. Damit das Vorstellungsgespräch nicht zum Kostümball wird: Nimm dir etwas Zeit, dir dein Wohlfühloutfit im Vorhinein zusammenzustellen.

Der Feinschliff

Nervös ist jeder kurz vor dem Vorstellungsgespräch. Gerade diese Nervosität kann dir aber auch Flügel verleihen. Damit du nicht schon vorher vor lauter Panik abhebst, überprüfe einen Tag vorher folgende Fragen:

  1. Wie viel Zeit muss ich für die Anfahrt einplanen? (Bei weiteren Anreisen kannst du bei der Personalabteilung der jeweiligen Firma eine Kostenbeteiligung oder Kostenübernahme erfragen)
  2. Wer genau sind meine Gesprächspartner? (Name, Position)

Je öfter du dich auf die Bewerbungssituation gedanklich einstimmst, desto sicherer wirst du dich letztendlich fühlen. Zum Beispiel so:

  1. Wenn es dir hilft, unternimm ein kleines Rollenspiel und stelle das Bewerbungsgespräch mit einer vertrauten Person nach. So übst du, auch auf unerwartete Fragen einzugehen.
  2. Achte auf ein normales Sprechtempo! Wenn du zu schnell sprichst, läufst du Gefahr, zentrale Stärken und Gedanken so wirken zu lassen, als wären sie dir beiläufig bzw. spontan eingefallen und du verhaspelst dich womöglich.
  3. Wähle jedes Wort bewusst und nimm dir die Atempausen, die du brauchst, um eine Frage zu verstehen oder die richtige Antwort zu formulieren.

All diese Strategien sollen letztendlich bewerkstelligen, dass du dir ein möglichst authentisches Bild von dem bevorstehenden Bewerbungsgespräch und deiner Wirkung entwirfst. Um deinem Gesprächspartner im Gedächtnis zu bleiben, hilft es, ihm an diesen Bildern von dir selbst – deinen Erfolgen und Stärken – teilhaben zu lassen.

Let’s shake hands: Der erste Eindruck!

Es ist soweit – du gehst die Treppen hinauf ins Büro und öffnest die Tür zum Empfang. Auch wenn das Herz nun schneller schlägt:

  1. Nimm dir einen Moment und schau dich um. Lass den Raum auf dich wirken und komme gedanklich und körperlich an.

Unser Tipp: Du hast noch ein paar Minuten Zeit? Gib deiner Körpersprache eine Prise Mut und nehme kurz ein paar Siegerposen vor dem Vorstellungsgespräch ein. Das kannst du z. B. schnell auf der Toilette machen – strecke deine Arme wie Superman bzw. Superwoman in die Luft und sage dir, dass du das schaffst. Ist keine Zeit mehr oder keine Toilette in der Nähe? Stütze deine Hände selbstbewusst in die Hüften und sitze gerade. Das gibt dir Selbstbewusstsein. Die Sozialpsychologin Amy Cuddy erklärt dir in ihrem TEDTalk, wie das funktioniert:

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  1. Während du wartest: Finger weg vom Handy! Das lenkt dich zu sehr ab. Und mal ehrlich: Wie sympathisch wirkt ein Bewerber, der sich nicht mal zwei Minuten selbst beschäftigen kann und sich anscheinend wenig für seine Umgebung interessiert? Zudem behältst du so den Überblick, kannst vorbeilaufende (und vielleicht auch zukünftige) Kollegen grüßen und siehst deinen Gesprächspartner schon, bevor er oder sie dich sieht.

Sobald ihr euch die Hand schüttelt heißt es: Tief durchatmen, lächeln und los geht’s! Sei selbstbewusst, sei freundlich und neugierig, aber vor allem: Sei du selbst!

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