E-Learning ABC: Lexikon für digitales Lernen.

Von A wie Augmented Reality, über B wie Blended Learning bis Z wie Zeitplanung: Das Vokabular zum Thema E-Learning hat es in sich. Die neuen Möglichkeiten des technischen Fortschritts bringen auch neue Herausforderungen mit sich – von der Vielzahl neuer Begriffe und Anwendungen bis hin zu einer Umstrukturierung von Zeit und Raum. Genau der richtige Moment, sich einen Überblick zu verschaffen! Wir haben die wichtigsten Vokabeln rund um das Thema E-Learning zusammengetragen und erklären, was sie bedeuten. Da ein Begriff selten allein kommt, gibt es passende Synonyme und aktuelle Beispiele aus der Praxis gleich dazu.

E-Learning

Bedeutung: Sobald digitale Medien den Lernprozess unterstützen, wird von E-Learning gesprochen. Das „E“ steht für das englische Wort „electronic“ im Sinne eines elektronisch unterstützten Lernens. Im Prinzip werden die meisten Lernformate – ob in der schulischen, akademischen oder privaten (Weiter-)Bildung – heutzutage digital begleitet. Insofern stellt E-Learning einen zentralen Bereich unserer gegenwärtigen Wissensaneignung dar. Digitales Lernen zeichnet sich vor allem durch eine gesteigerte Interaktivität und Multimedialität aus. Digitalisierte Inhalte lassen vielfältige Steuerungs- und Eingriffsmöglichkeiten ihrer Nutzer zu und ermöglichen einen erleichterten Austausch von Informationen und Dateien. Die Nutzung verschiedener Medien wie E-Books, Podcasts oder Videos stimulieren den Lernprozess über mehrere Sinne. Zudem wird das Lernen durch E-Learning-Formate im Vergleich zum klassischen Frontalunterricht individualisiert, da Wissen hier im eigenen Tempo erschlossen werden kann und jederzeit digital zur Verfügung steht. E-Learner können von jedem beliebigen Ort aus lernen, da sie räumlich und zeitlich unabhängig von der Bildungsinstitution sind. Zur Verbesserung der Kommunikation kommen bereits Live-E-Learning-Formate zum Einsatz. Hier treffen sich Dozenten und Lernende gleichzeitig online über Headset und PC und können so “live” Fragen und Wissen miteinander austauschen.

Synonyme: Digitales Lernen (Digital Learning), Online-Lernen, Computer Based Training, Telelernen, Multimediales Lernen, Open and Distance Learning.

Anwendung: In Bildungsinstitutionen über unterschiedliche Lernplattformen oder Lernstrategien, die digitale Medien einbinden. Gerade in der privaten Weiterbildung kommt Live-E-Learning überwiegend zum Einsatz, etwa bei einem berufsbegleitenden Studium, bei Umschulungen oder Aufstiegsfortbildungen. Zudem findet digitales Lernen in Unternehmen statt, z. B. in Form von Inhouse Schulungen, die online stattfinden. Auch in der App-Entwicklung sind E-Learning-Formate ein wachsendes Anwendungsgebiet.

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Lernen am Wunschort (bzw. da, wo es richtig guten Kaffee gibt)? E-Learning macht´s möglich. Foto von Juliette Leufke auf Unsplash.

Augmented Reality (AR)

Bedeutung: Eine Erweiterung der Realität durch das Einblenden digitaler Zusatzinformationen. Bei der Augmented Reality gibt ein digitales Gerät (wie Smartphone, Laptop, AR-Brille) weiterführende Informationen zur eigenen Umgebung wieder bzw. fügt digitale Objekte in diese ein. Hierbei synchronisiert sich das jeweilige Gerät mit dem eigenen Standort. Über die Kamerafunktion wird die AR auf dem eigenen Gerät dann sichtbar bzw. der Bildausschnitt, in dem die zusätzlichen Infos oder Objekte eingeblendet werden sollen.

Synonyme: Mixed-Reality, Erweiterte Realität.

Anwendung: Etabliert sind AR-Funktionen vor allem in der alltäglichen Navigation z. B. wenn nützliche Informationen zum Verkehr auf die Innenseite des Fahrerfensters projiziert werden. Eines der bekanntesten AR-Spiele ist Pokémon Go, Apps wie Snapchat oder Instagram arbeiten ebenfalls erfolgreich mit AR. In Bezug auf E-Learning können über den Einsatz von AR-Systemen bestimmte Situationen simuliert und somit praxisnaher erklärt werden, wie z. B. in der Medizin und im Ingenieurswesen. Experten stellen in Aussicht, dass AR in Zukunft eine größere Rolle in unserem Alltag spielen wird – vor allem durch Apps, über die zusätzliche Informationen im öffentlichen Raum sichtbar werden oder für Online-Shopping-Formate.

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Avatar

Bedeutung: Ein Avatar ist eine digital entworfene Stellvertreterfigur, über die man sich im Internet oder in virtuellen Systemen (wie z. B. in Spielen) bewegen kann oder die als Platzhalter (z. Bsp. als Profilbild) für die reale Person agiert. Über verschiedene Tools lassen sich Avatare mittlerweile zu sehr realitätsnahen, dreidimensionalen Abbildern bzw. zu Fantasiefiguren mit übermenschlichen Fähigkeiten gestalten.

Synonyme: Verkörperung, Inkarnation.

Anwendung: Avatare kommen vor allem in der Spieleindustrie vor, sie sind aber auch in sozialen Netzwerken beliebt. Auch E-Learning-Formate beginnen über Avatare den Zugang zu neuen Lernerlebnissen zu öffnen, indem Lernende sich in Form ihres Avatars über einen virtuellen Campus bewegen, Seminare besuchen, sich Wissen aneignen und mit ihren Kommilitonen in Kontakt treten können.

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In virtuelle Welten abtauchen: Entweder über einen Avatar oder gleich selbst (→ Virtual Reality). Foto von Drew Graham auf Unsplash.

Blended Learning

Bedeutung: Blended Learning ist eine Mischform aus dem elektronisch gestützten Lernen (→ E-Learning) und der klassischen Präsenzveranstaltung. Hier wird also das Beste aus beiden Lernprozessen miteinander verbunden, um den Lernerfolg nachhaltig zu steigern.

Synonyme: Hybrides Lernen, Integriertes Lernen.

Anwendung: E-Learning und Präsenzunterricht lassen viele Kombinationsmöglichkeiten zu. In den meisten Fällen werden beim Blended Learning alle Informationen und Lerninhalte wie beim E-Learning online organisiert, der Austausch läuft über eine Lernplattform ab. Hinzu können dann Präsenzveranstaltungen kommen, in denen das gemeinsame Lernen intensiviert wird oder Prüfungen abgehalten werden. Durch diesen ausgeglichenen Mix an realem Austausch und flexibler, übersichtlicher Lernstruktur gewinnt Blended Learning an immer mehr Beliebtheit.

Gamification

Bedeutung: Wenn der menschliche Spieltrieb auf weniger spielerische Alltagshandlungen oder Lernprozesse trifft, spricht man von Gamification. Hier werden Lerninhalte oder monotone Abläufe zum Spiel umgestaltet. Das Potential von Gamification liegt in der Verknüpfung von Spaß und spielerischem Ehrgeiz mit dem Aneignungsprozess von neuem Wissen bzw. in der erzielten Wahrnehmungsveränderung von Prozessen. Die auf diesem Wege lernenden Spieler erhalten je nach Spielverlauf direktes Feedback zu ihren Aktionen, werden herausgefordert und haben positive Erfolgserlebnisse beim Lernen oder Arbeiten.

Synonyme: Spielifikation, Gamifizierung.

Anwendung: Gamification kann in vielen Bereichen komplexe Inhalte zu anschaulichen, unterhaltsamen und sehr praxisnahen Situationen werden lassen. Wie z. B. beim Erlernen einer neuen Sprache, indem Vokabeln nicht einfach abgefragt werden, sondern innerhalb eines Spiels durch eine Geschichte, in die der Spieler verwickelt wird, angewendet werden. In diesem Sinne helfen die eigenen Kenntnisse hier, das Spiel erfolgreich zu durchlaufen. Auch Avatare kommen bei solchen Lernspielen oft zum Einsatz, um das Lernerlebnis noch lebendiger und individuell steuerbar zu machen. Gerade für monotone Aufgaben oder Berufsfelder ist Gamification eine Möglichkeit, mehr Abwechslung und Ehrgeiz in den Alltag zu bringen.

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Demnächst mit virtueller Brille zur Arbeit? Gamification könnte hier bald zum Einsatz kommen. Foto von Eddie Kopp auf Unsplash.

Inverted Classroom

Bedeutung: Diese Form des Lernens kann mit einer Art des umgedrehten Unterrichts beschrieben werden: Hier wird sich Wissen außerhalb des Unterrichts eigenständig online angeeignet, während die Anwendung und Vertiefung des Gelernten im Klassenzimmer geschieht. Die Vermittlung der Inhalte erfolgt meist über Videosequenzen. Die Vorteile dieses Umkehrens der Lernphasen sind, dass Schüler so im eigenen Tempo lernen können und mehr Zeit für die Praxis bleibt. Außerdem setzen sich Schüler so intensiver mit den Lerninhalten auseinander, lernen zu recherchieren und konkrete Fragen im Vorhinein selbst zu formulieren.

Synonyme: Flipped Classroom, flip teaching.

Anwendung: Im Schulunterricht wird dieses Prinzip des Inverted Classrooms bereits immer häufiger erfolgreich angewendet, wie auch innerhalb der akademischen Bildung und beruflichen Weiterbildung zur Intensivierung und Individualisierung von Lernprozessen.

MOOC

Bedeutung: Diese Abkürzung steht für „Massive Open Online Course“ und beschreibt einen internetbasierten, meist kostenlosen Kurs auf Universitätsniveau. Er ist für jeden Interessierten offen zugänglich, wodurch meist eine Vielzahl von Teilnehmern zusammenkommen (im Sinne von „massive“: riesig, enorm). Mittlerweile wird zwischen xMOOCs und cMOOCS unterschieden. Das kleine x steht für „extension“ und beschreibt die formelle, vorlesungsähnliche Version des MOOC, das kleine c wie „connectivism“ steht für MOOCs, die informell konzipiert sind und mit sozialen Netzwerken arbeiten (→ Social Learning).

Synonyme: Offener Internetkurs.

Anwendung: MOOCs werden vor allem in der Hochschulbildung angewendet oder in der beruflichen wie privaten Weiterbildung.

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Digitales Social Learning bezieht die Sozialen Medien und die Erfahrungen aller Teilnehmenden mit ein. Foto von Teemu Paananen auf Unsplash.

Social Learning

Bedeutung: In der digitalen Welt steht Social Learning für das Einbinden von sozialen Netzwerken (wie Facebook, Twitter, Instagram, Youtube uvm.) in den Lernprozess. Zentrales Merkmal hierfür ist der zentrale Anteil der Gruppenarbeit am Lernerfolg: Wissen entsteht hier vor allem durch die Vernetzung und den Austausch der Lernenden untereinander.

Synonyme: Kollaboratives Lernen (collaborative learning), Gruppenbasiertes Lernen.

Anwendung: Social Learning wird vor allem in der Hochschulbildung eingesetzt, zum Beispiel in der Organisationsform des cMOOCs. Hier werden Lerninhalte vordergründig über Lerngruppen erschlossen und im Verlauf des Seminars oder Lehrgangs durch alle Mitglieder aktualisiert, kommentiert und somit der Aspekt des gemeinsamen Lernens und Erklärens gefördert.

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Mehr als nur ein Trend? Abtauchen und Eintauchen in virtuelle Welten. Foto von Samuel Zeller auf Unsplash.

Virtual Reality (VR)

Bedeutung: Virtual Reality besteht im Prinzip aus einem dreidimensionalen Video, das auf die eigenen Bewegungen ausgerichtet ist. Sobald man in die VR eintaucht, wird die reale Welt ausgeblendet. Hierfür wird eine VR-Brille und ein VR-Headset benötigt. Durch die sich beständig verbessernde Technologie werden die Darstellungsmöglichkeiten der VR immer realer, intuitiver und raffinierter.

Synonyme: Virtuelle Realität.

Anwendung: VR ist vor allem aus der Spielindustrie nicht mehr wegzudenken. Täuschend echte Simulationen von realen Situationen und Settings haben aber auch für die Lehre großes Potential, um auf in der Realität gefährliche, operative oder komplexe Eingriffe vorzubereiten. In der Kulturvermittlung werden 3D-Rundgänge durch Museen und Ausstellungen ebenfalls immer verbreiteter, und auch die sozialen Netzwerke wie Facebook arbeiten an VR-Anwendungen als neues Format der Interaktion. Auch der Journalismus nutzt bereits VR, um eine größere emotionale Nähe und Teilhabe an den jeweiligen Geschichten zu ermöglichen.

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Zeitplanung

Bedeutung: E-Learning-Formate erfordern eine neue Art der Zeiteinteilung. Da Inhalte, Plattformen und die verschiedenen Tools jederzeit zur Verfügung stehen, wird die private Strukturierung von Zeit zur einer wichtigen Kompetenz. Ebenso wie die Motivation, sich selbstständig und regelmäßig in den Wissenspool einzuloggen. Deshalb versuchen E-Learning-Plattformen auch verstärkt, die soziale Interaktion und spielerische Kommunikation unter den Mitgliedern des jeweiligen Netzwerks zu fördern.

Synonyme: eigenständiges Lernen, Selbstmotivation.

Du hast noch Fragen zum Thema Arbeiten 4.0? Unser Lexikon zur Digitalisierung verschafft Dir den Überblick.

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