Homo Digitalis – Wohin führt uns die Zukunft der Arbeit?

Unsere Arbeitswelt hat sich durch die Digitalisierung in den letzten 30 Jahren rasanter verändert als in den hundert Jahren zuvor. Ein Stillstand ist nicht zu erwarten. Eher werden Weiterentwicklungen noch schneller stattfinden als bisher – und wir Menschen müssen uns damit zurechtfinden. Wie also wird sie aussehen, die Zukunft unserer Arbeitswelt in 10, 20, 30 Jahren? Und was können wir tun, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten?

Digitalisierung: Das Ende des menschlichen Mitarbeiters?

Smarte Technologien, künstliche Intelligenz, Roboter, Industrie 4.0: Naht das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen? Droht der Erwerbsgesellschaft das Aus? Wird der Mensch im Arbeitsalltag der Zukunft überhaupt noch eine Rolle spielen? Oder wird er über kurz oder lang durch Maschinen ersetzt? Eine derartige Panikmache ist natürlich Unsinn. Grundsätzlich ist es keine neue Entwicklung, dass Arbeitsfelder und Berufe aussterben. Meist entstehen dafür andere Jobs, die vorher nicht möglich, erforderlich oder überhaupt vorstellbar waren.

Wann immer ein neues Gerät eingeführt wurde, das eine menschliche Tätigkeit übernahm, rief es Skepsis und Ablehnung hervor. Heute kann sich niemand mehr vorstellen, dass Angestellte vor der Erfindung des Fotokopierers damit beschäftigt wurden, Schriftstücke manuell zu vervielfältigen. Auch die Einführung des Computers wurde anfänglich misstrauisch beäugt. Zwar hat der PC tatsächlich viele Tätigkeiten überflüssig gemacht, jedoch wiederum auch zahlreiche neue Jobs geschaffen: von der Programmierung über Webdesign und Social Media Management bis hin zur juristischen Betreuung, die sich mit den rechtlichen Problemen des Internets beschäftigt. Auch die E-Mail hat keinesfalls zum Aussterben der Post geführt – vermutlich sind, dank E-Commerce und Online-Shops, mehr Lieferantinnen und Lieferanten denn je unterwegs.

Dank E-Commerce und Online-Shops sind heutzutage mehr Lieferantinnen und Lieferanten denn je unterwegs.
Durch die Vielzahl von E-Commerce-Angeboten und Online-Shops wollen immer mehr Pakete und Päckchen hin- und hergeschickt werden. (Artikelbild von Jan Antonin Kolar/Unsplash)

All das zeigt: Neue Technologien erzeugen neue Bedürfnisse – also keine Angst vor Veränderungen! Ablehnung blockiert und wirft uns nur zurück. Stattdessen gilt es, interessiert und aufgeschlossen zu bleiben und vorausschauend zu überlegen, wohin die Reise gehen könnte.

Künstliche Intelligenz versus Emotionale Intelligenz

Einigkeit herrscht in der Prognose, dass viele monotone, körperlich belastende und gefährliche Tätigkeiten in Zukunft verstärkt von Robotern übernommen werden können. Das klingt zunächst positiv, bedeutet gleichzeitig aber auch, dass damit Arbeit wegfällt, die nur geringe Qualifikationen erfordert. Eine solide Ausbildung wird daher immer wichtiger werden, ebenso regelmäßige Weiterbildungen.

Es geht im Arbeitsleben der Zukunft allerdings nicht nur darum, dein Wissen im eigenen Arbeitsbereich kontinuierlich zu aktualisieren, sondern vor allem auch darum, über den Tellerrand zu schauen und das Verständnis für Themen außerhalb des eigenen Alltags zu erweitern.

Frau mit Fernglas
Wird immer wichtiger: Der Blick über den eigenen Tellerrand. Was machen die Anderen? Welche Skills könnte ich mir noch schaffen? (Artikelbild von Chase Clark/Unsplash)

Skills für die Arbeitswelt der Zukunft

Gerade dann, wenn Technologien präzise und programmierbar einsetzbar sind, wird der menschliche Faktor immer entscheidender. Gängige Hard Skills wie z. B. eine allgemeine Digitalkompetenz sind zwar die Eintrittskarten, aber die Soft Skills stehen in der Arbeitswelt der Zukunft im Vordergrund und gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Unverzichtbar für das Arbeiten 4.0 ist zunächst ein digitales Mindset. Das bedeutet, dass du den digitalen Veränderungen neugierig und offen gegenüberstehst und lernst, eine gute Balance zwischen deinem analogen und deinem digitalen Leben zu finden.

Wichtig sind daher vor allem eine geschärfte Medienkompetenz, aber auch Eigenschaften wie Flexibilität, Resilienz und Achtsamkeit. Das bestätigt auch die steigende Nachfrage nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit hoher emotionaler Intelligenz. Wertschätzend digital zu kommunizieren, sich virtuell professionell zu vernetzen, mit Kolleginnen und Kollegen wie mit Menschen außerhalb deines Unternehmens – auch über Sprachgrenzen und kulturelle Unterschiede hinweg – all das gewinnt in einer globalisierten Arbeitswelt weiter an Bedeutung.

My Home is my Office

Die Digitalisierung der Arbeit wirkt sich nicht nur auf inhaltliche Anforderungen aus, auch äußerlich zeigen sich Veränderungen.

Homeoffice
(Artikelbild von Alisa Anton/Unsplash)

Schon jetzt stirbt der eigene Büroarbeitsplatz beim Arbeitgeber langsam aus. Statt am immer gleichen Schreibtisch mit Computer, Telefon und Notizblock, wird mit Laptop und Smartphone von überall aus gearbeitet, mobil und dezentral. Hierarchien werden flacher, Erwerbsformen flexibler, die Arbeit löst sich von der Präsenz. Home-Office-Regelungen und variable Arbeitszeitmodelle entzerren nicht nur den täglichen Berufsverkehr-Wahnsinn auf den Straßen, sondern tragen vor allem dem Wunsch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben Rechnung. Durch den Megatrend Gender Shift, der besagt, dass geschlechtsspezifische Rollenmuster mehr und mehr an Relevanz verlieren, entstehen vielfältige Arbeitsmodelle jenseits einer starren Acht-Stunden-Einteilung – für Frauen und Männer gleichermaßen. Auch Lernen und Weiterbildung sind zunehmend virtuell möglich und brauchen weder festgelegten Orten, noch starren Zeitvorgaben zu folgen.

Arbeitszeit ist Lebenszeit

Gerne sprechen wir immer wieder von Work-Life-Balance. Dabei übersehen wir aber, dass auch Arbeitszeit Lebenszeit ist und sich die Begriffe Arbeit und Leben daher nicht voneinander trennen und gegeneinander aufwiegen lassen. Insofern wird vom eigenen Job zunehmend mehr Sinnhaftigkeit und Erfüllung erwartet. Besser wäre also die Bezeichnung Work-Life-Dynamik oder Work-Life-Integration. Gerade mit wachsenden Anforderungen an die Soft Skills lassen sich die Erfahrungen des Berufs- und Privatlebens fruchtbar kombinieren und ergänzen.

Frau am Meer
Auch enorm wichtig: eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Entspannung. (Artikelbild von Danka & Peter/Unsplash)

Eines ist sicher: Stetiger Wandel und Weiterentwicklung

Die fortschreitende Digitalisierung wird den Menschen keinesfalls überflüssig machen. Allerdings verändert sie seinen Arbeitsplatz und seine Aufgaben und erfordert eine stetige Weiterentwicklung und eine offene Grundhaltung gegenüber neuen Technologien. Kreativität, emotionale Kompetenzen und Kommunikationsfähigkeit werden auch über die Grenzen des eigenen Arbeitsbereichs hinaus an Bedeutung zunehmen. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Zukunft werden noch flexibler, selbstbestimmter und eigenverantwortlicher arbeiten – losgelöst von starren Zeiten und festgelegten Orten.

Diese Freiheiten gründen auf einer guten Ausbildung, mehr Eigeninitiative und selbstbewussten Entscheidungen. Eine zufriedenstellende Arbeit bleibt eine lebenslange Aufgabe. Und sie bringt uns dazu, uns kontinuierlich selbst zu reflektieren: Wer sind wir? Was sind unsere Talente? Wo möchten wir sein? Die Antworten auf diese Fragen werden sich immer mal wieder ändern, zusammen mit der Welt um uns herum. Sehen wir das als Herausforderung, als spannendes Abenteuer – nicht als Bedrohung.

Das Titelbild ist von Franck V.

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