Faultier oder Schlange? Expedition in den Dschungel der Bürotypen.

Manchmal gleicht das Büro einem Dschungel: Da werden Krallen geschärft, Löwengebrüll hallt durch die Flure und das Highlight des Tages ist die Nahrungsaufnahme. Wer nicht wachsam ist, bleibt auf der Strecke. Es wird gezwitschert, geplappert, getuschelt, gefaucht und manchmal auch gebissen. Daher setzen wir uns heute den Tropenhelm auf und begeben uns auf Expedition in den Büro-Dschungel. Wir identifizieren alle Teilnehmer des Dschungelcamps – vom Faultier bis zur Schlange – und geben dir Tipps wie du sie alle einsteckst und zum Dschungelkönig wirst, zumindest in deinem Büro. Vielleicht erkennst du den einen oder anderen Kollegen – oder dich selbst  – in unseren Bürotypen wieder.

Illustrationen der Expedition: Hanna Seibel

Das Faultier

Süß sieht es aus. Mit großen Augen und riesigen Pfoten hängt das Faultier gerne ab. In Bäumen, auf Lianen oder auf Bürostühlen. Nochmal in aller Ruhe Facebook checken, vom nächsten Urlaub träumen oder doch lieber schauen, was heute Abend so im Kino läuft? Das Faultier lässt sich gerne ablenken. Bei neuen herausfordernden Aufgaben verdreht es in Zeitlupe die Augen und seufzt schwer. Warum kostet das Leben bloß so viel Anstrengung?

Tipp: Faulheit geht oft mit Unterforderung einher. Um faule Menschen aus der Reserve zu locken, sollte man ihren Ehrgeiz wecken. Wie wäre es mit einer paradoxen Intervention? „Wir kriegen das schon ohne deine Expertise hin.“ Das Faultier fühlt sich zunächst gekränkt – und merkt, dass jetzt Aktion gefordert ist.

Zeichnung eines Faultiers auf einem Bürostuhl
Das Faultier. Wecke seinen Ehrgeiz und es wird dir mit der Zeit folgen.

Das Urgestein

Es ist schon immer da gewesen und wird auch immer bleiben. Wie ein Fels in der Brandung ist das Urgestein jahrelang dem Unternehmen treu geblieben und kennt es bis in das letzte Geröll der Firmenstruktur und Gerüchtehöhle. Das Urgestein hat immer einen Rat für dich, ob du willst oder nicht. Im Gegenzug möchte es von dir aber nichts lernen, Innovationen gehören nicht zu seinem Interessengebiet. Mit Apps, Facebook und Windows-Fehlermeldungen kannst du es erschüttern.

Tipp: Tu‘ ihm den Gefallen und höre dir seine Geschichten an – von seinem Wissen und seinen Beziehungen kann deine weitere Karriere in der Firma profitieren. Biete ihm im Gegenzug deine Hilfe an, wenn sein Computer mal wieder nicht gehorcht.

Zeichnung einer antiken Skulptur eines Kopfes
Das Urgestein. Stell dich unauffällig in seinen Schatten und profitiere von seiner Weisheit.

Der Plappergei

Käffchen gefällig? Der Plappergei ist der Smalltalk-Meister unter den Bürotypen und zwitschert sich gerne um Kopf und Kragen. Mit ihm bleiben unangenehme Pausen während des Mittagessens auf jeden Fall aus – unangenehm könnten höchstens seine Gesprächsthemen werden, die täglich die Gerüchteküche von neuem anheizen. Aber auch du solltest stets im Auge behalten, welche Information du vor ihm ausplauderst, schließlich plappert er alles nach.

Tipp: Du solltest stets im Auge behalten, welche Information du vor ihm ausplauderst, schließlich plappert er alles nach und trägt es weiter durch die Büroräume. Mit Gesprächsthemen wie Wetter, Sport und Promis bist du bei dem Plappergei auf der sicheren Seite, persönliches solltest du für dich behalten.

Zeichnung eines blauen Pagageis auf einer Kaffeetasse sitzend
Der Plappergei. Pass auf, welche Informationen du ihm weitergibst, sein Geplapper trägt sich weit.

Das Trampeltier

Überschüssige Energie haben nicht nur die geselligen Zebras am Wasserloch, auch im Büro gibt es immer wieder eine Person, die wie ein schusseliges Huftier durch das Büro poltert: Das Trampeltier. Ständig kommt es zu spät, sagt als letztes bei Meetings zu oder sein Schreibtisch sieht aus, als hätten sich alle Tiere Afrikas dort ausgetobt. Keiner zweifelt an der Kompetenz des Trampeltiers, allerdings gehören Zuverlässigkeit und Sorgfalt nicht zu seinen Qualitäten. Meist sitzt es in der kreativen Schnittstelle eines Betriebs.

Tipp: Dem lebhaften Temperament setzt man am besten Ruhe und Gelassenheit entgegen. Der Termin wurde schon wieder verschoben? Ok, eine Portion Geduld brauchst du sicher auch. Und vielleicht freut sich das Trampeltier ja über einen tollen Büro-Organizer zum nächsten Geburtstag? Hier findest du DIY-Ideen für jede kreative Seele.

Zeichnung eines Zebras im Büro
Das Trampeltier. Übe dich in Geduld, wenn es sich wieder verzettelt.

Die Mimose

Fehler passieren jedem – nur leider gibt es immer die Kandidaten, die das nicht akzeptieren können und sich schon bei der kleinsten Kritik direkt in ihrer Persönlichkeit angegriffen fühlen. Die Mimose ist ein sensibles Pflänzchen und verträgt Kritik äußerst schlecht. Schnell wird sie emotional und fühlt sich unter Druck gesetzt.

Tipp:  Es ist alles eine Form der Kommunikation. So extrem wie auf Kritik reagiert wird, so stark hat auch Lob eine Wirkung. Daher: Erst kritisieren, das Gespräch aber mit einem Lob beenden. So bleibt es positiv in Erinnerung.

Zeichnung einer Pflanze
Die Mimose. Pflege sie mit Lob, zu harsche Kritik bekommt ihr nicht.

Der Eremit

Der Eremit fällt irgendwie aus der Reihe. Das Mittagessen nimmt er lieber alleine ein und auch sonst beteiligt er sich nicht an Smalltalk-Gesprächen vor der Kaffeemaschine. Stattdessen fühlt er sich hinter dem PC-Bildschirm am wohlsten, setzt die Kopfhörer auf und vertieft sich in die eigenen Aufgabenbereiche.

Tipp: Toleranz ist hier das Stichwort. Eigenheiten sind erlaubt, solange sie den Arbeitsalltag nicht behindern. Also getreu nach dem Motto: Leben und leben lassen. Aber bewusste Einladungen zum Geburstagskuchen-Essen sind wichtig und geben ihm ein Gefühl der Wertschätzung.

Zeichnung eines schwarzen Panthers vor einem Laptop
Der Eremit. Akzeptiere seine Abgeschiedenheit und locke ihn mit kleinen Aufmerksamkeiten aus der Reserve.

Der Kleingepunktete

Der Kleingepunktete ist ein Perfektionist. Mit wachsamen Augen pirscht er durch das Großraumbüro. Er lauert und schnappt blitzschnell zu. Seine Beute gibt er nur ungern ab. Wer von ihm etwas delegiert bekommt, weiß, dass er früher oder später etwas auszusetzen hat und alles übernehmen will. Denn er folgt dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und kontrollieren ist sein Leidenschaft.

Tipp: Unordnung behagt ihm nicht. Daher solltest du in der Zusammenarbeit auf alle Details und gut durchdachte Organisation achten, denn Überraschungen und Spontanität verwirren ihn. Und lass‘ ihn bloß nicht alleine mit dem Trampeltier in einem Raum – ob das wohl gut gehen würde?

Zeichnung eines Geparden am Schreibtisch
Der Kleingepunktete. Achte auf Details und vermeide Überraschungen, damit behältst du die Kontrolle über diesen kleinlichen Pedanten.

Die Schlange

Die Schlange ist Karrieristin und windet sich auf der Karriereleiter unaufhaltsam Zentimeter für Zentimeter nach oben – komme was wolle. Solange sie noch nicht auf dem Chefsessel sitzt, stellen alles und jeder für sie nur Bausteine ihres Erfolgsplans dar. Dabei weiß sie stets, sich zu profilieren und ins richtige Licht zu setzen. Ihr hypnotischer Blick hilft ihr, die anderen Kollegen um den Finger zu wickeln und im richtigen Augenblick mit ihrem Würgegriff zu packen.

Tipp: Bei ihr weiß man nie, was sie im Schilde führt. Rechne mit Intrigen, versuche nicht in ihr Manipulationsnetz zu geraten und gehe ihr am besten aus dem Weg. Wenn du dich mit ihr gut stellen willst, lobe ihren Ehrgeiz und ihre Arbeit, wo du nur kannst – auf dem Weg nach oben wird sie vielleicht an dich denken.

Zeichnung einer Schlange, die sich hochwindet.
Die Schlange. Nimm dich in Acht vor ihrem Würgegriff, mit dem sie sich geschickt die Karriereleiter hochschlängelt.

Der Büroaffe

Dieser Bürotyp hat Immer einen witzigen Spruch auf den Lippen: Die Schule ist schon lange vorbei, aber in jedem Team gibt es jemanden, der sich bereitwillig zum Affen macht. Er ist bei allen sehr beliebt und wichtig für eine lockere Atmosphäre im Team. Meistens wird er gern gesehen, seine alberne Art kann aber auch richtig nerven – denn oft weiß er nicht, wann Schluss mit lustig ist.

Tipp: Humor im Büro ist wichtig für die Arbeitsmoral, allerdings nicht auf Kosten von anderen. Daher zeige ihm deutlich, wo deine Grenzen sind – und signalisiere ihm, wenn sie überschritten werden. Wer allerdings lieber zum Gegenschlag ausholt, kann sich hier Inspiration für schöne Streiche im Büro holen.

Zeichnung eines Affen mit Konfetti
Der Büroaffe. Zeige ihm deine Grenzen auf, wenn es dir zu bunt wird.

Das Bürotypen-Fazit

Hast du dich in unseren Bürotypen wiedererkannt? Und das gleich mehrmals? Menschen sind vielseitig und jeder hat den einen oder anderen faulen, albernen, trampeligen, kleinlichen oder verschlossenen Tag im Büro. Mit der richtigen Portion Empathie und vor allem Gelassenheit kommst du mit (fast) jedem schwierigen Menschen im Arbeitsalltag zurecht. Damit vermeidest du, dass das Büro zu einem Ort wird an dem es heißt: Fressen oder gefressen werden.

Illustrationen der Büro-Expedition: Hanna Seibel

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