Ein gesundes Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse sollte nicht erst mit dem Feierabend beginnen. Wie viel Potenzial für kleinere und größere Gesundheitsaktionen in Ihrem beruflichen Alltag steckt, weiß die Referentin für Gesundheitsmanagement und Arbeitsschutz Antje Flechsig von WBS TRAINING.

Profilbild von Antje Flechsig, betriebliches Gesundheitsmanagement und Arbeitsschutz WBS.
Antje Flechsig, Gesundheitsmanagement bei WBS TRAINING

Welche Aktionen haben Sie bereits ins Leben gerufen, um das gesundheitliche Bewusstsein in Ihrer Firma zu schulen?

Über das firmeninterne Intranet habe ich die Möglichkeit, viele Informationen zu streuen und mit Mitarbeitern zu kommunizieren. So zum Beispiel über unseren „feel good!“- Newsletter mit aktuellen Themen und Ratschlägen zur Gesundheit am Arbeitsplatz. Zudem habe ich eine monatliche Sprechstunde eingerichtet. Die Themen, die wir besprechen, kommen häufig direkt von den Mitarbeitern, oftmals lade ich auch externe Referenten zu speziellen Themen ein. Wir hatten beispielsweise schon einen Stimmetrainer und eine Yogalehrerin, die mit den Teilnehmern einen kurzen Yogaflow durchgeführt hat. Es gab einen Schrittzählerwettbewerb, der leidenschaftliche Emotionen in den Teams erzeugt und die Mitarbeiter wirklich zu mehr Bewegung motiviert hat. Vor Kurzem gab es eine Körperanalyse-Aktion, bei der die anwesenden Mitarbeiter ihr Stoffwechselalter ermitteln lassen konnten. Für unsere Kunden und Trainer gibt es auch ein Gesundheitsprogramm. Die Themen und Möglichkeiten sind so vielseitig und ich versuche immer, auf das zu reagieren, was gerade gebraucht wird.

Welche Auswirkungen hatten diese Aktionen auf das Personal?

Die verschiedenen Aktivitäten erzeugen ein gestärktes Bewusstsein für gesundheitsorientiertes Handeln. Zugleich erzeugt jede Aktivität eine nachhaltig gesteigerte Partizipation der Kollegen. Sie spüren, dass es der Firma wichtig ist, dass das betriebliche Gesundheitsmanagement lebt und gemeinsam gestaltet wird – und das entlang der einzelnen Bedürfnisse jedes Kollegen. Man redet über Gesundheitsthemen und regt sich damit zusätzlich gegenseitig an, sich noch mehr Gedanken dazu zu machen. Das geht über bloßes Konsumieren der Aktionen hinaus und erzeugt Lust auf aktives Mitwirken.

Wie sieht ein idealer, gesunder Arbeitsalltag für Sie aus?

Ein gesunder Arbeitsplatz muss nicht gleich in einem Gesundheits-Schlaraffenland ausarten. Grundsätzlich geht es hier immer noch um das Arbeiten. Jeder Mitarbeiter benötigt einen klaren Blick für seinen Verantwortungsbereich. Er oder sie sollte Entscheidungen selbst treffen können, sich zu Themen mit dem Team austauschen und abstimmen, seine Tätigkeiten am Arbeitsplatz selbstorganisiert gestalten und das Vertrauen von Kunden, Kollegen und Vorgesetzten genießen können. Jeder braucht eine für sich ausreichend lange Pause, und die Möglichkeit, sich mit gesunden Lebensmittel zu versorgen. Man kann sich zum Beispiel das Essen von Zuhause mitbringen, statt zum nächsten Imbiss zu gehen. Es sollte möglich sein, zwischendurch Pausen zu machen, spazieren zu gehen oder noch besser, ein kurzes Powernapping einzulegen. Übergreifend ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter das Gefühl hat, Dinge im Unternehmen selbstbestimmt mitgestalten zu können. Das fördert die Gesundheit und das eigene Selbstwertgefühl.

Wie lassen sich auf der Arbeit Geist und Körper (wieder) in Einklang bringen?

Ich denke, das setzt vor allem bei einer bestimmten inneren Haltung an. Seit ich im Gesundheitsmanagement arbeite, gibt es für mich keine Trennung mehr von Arbeit und Privatem. Aber es geht in jedem Fall um einen gesunden Einklang zwischen diesen beiden Polen. Ich kann mir immer wieder entspannende Momente schaffen, auch auf der Arbeit, die mir guttun oder welche, die mich gerade fordern. Kippt die Situation zu sehr Richtung Stresslevel, ist es meine eigene Verantwortung, mich selbst wieder auf ein gesundes Level zu bringen. Das kann ich einerseits durch Vorfreude erreichen, auf etwas, dass ich nach Feierabend noch vorhabe zu tun, oder durch eine kurze Meditation, um mich schneller und situationsbezogener wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Stress kann auch positiv sein, denn wir können dank ihm an Herausforderungen wachsen und sind danach gestärkt für neue Herausforderungen. Wichtig ist das Gespür für die eigene innere Balance und das Bewusstsein für sich selbst.

Welche Tipps haben Sie für einen gesunden Büroalltag?

Achten Sie auf sich selbst und Ihr eigenes Körpergefühl! Der Büroalltag ist so facettenreich in der ganzheitlichen Betrachtung, allem voran mangelt es hier jedoch häufig an ausreichender Bewegung. Gerade bei einseitiger Schreibtischarbeit ist es wichtig, zwischendurch aufzustehen und eine Runde zu laufen, man kann aber auch Meetings im Stehen abhalten. Zudem sollten die Augen entspannt werden, einfach mal kurz mit den Händen abdecken, und das Nichtsehen und die Ruhe genießen. Ab und zu kann man in dynamisches Sitzen wechseln, das bietet sich besonders nach der Mittagspause an, wenn das Mittagstief Einzug hält. Einfach auf dem Stuhl nach vorne rutschen, um so aufrechter zu sitzen. Arbeitet man mit zwei Bildschirmen, dann stehen die meistens jahrelang in gleicher Konstellation. Stellen Sie doch einfach mal die Bildschirme um, damit auch die anderen Muskelpartien beansprucht werden können, die sonst brachliegen. Insgesamt rate ich den Mitarbeitern: Teilt euer Wissen miteinander und entwickelt eine gesundheitsfördernde Teamdynamik.

Frau sitzt in Liegestühl und legt die Füße hoch.Auszeit gesucht? Die sollten Sie sich unbedingt nehmen, indem Sie kurz aufstehen und Ihren Schreibtisch verlassen. Gehen Sie an die frische Luft und schalten Sie zwischendurch einfach mal ab, damit der Kopf sich kurz von der anstrengenden Arbeit regenerieren kann. Mehr dazu finden Sie in unseren hilfreichen Tipps zu mehr Gesundheit für Ihren Büroalltag.

 

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