Benjamin Spörer, Projektmanager für den Bereich Heilkunde bei der WBS TRAINING, berichtet über sein zweites Standbein: Nach seiner Ausbildung zur Heilpraktiker:in hat er eine Ausbildung in der Chiropraktik absolviert und seine eigene Praxis eröffnet. Hier erzählt er von seinem Weg in die Naturheilkunde und teilt Tipps für die Überprüfung beim Gesundheitsamt.

Lieber Benjamin, erzähl‘ doch zuerst mal kurz, wer du bist und welchen Background du hast.

Ich bin am Niederrhein aufgewachsen und habe nach meinem Wirtschaftsabitur einen B.A. in Politikwissenschaften und Soziologie und danach einen M.A. in Politik- und Wirtschaftswissenschaften absolviert. Obwohl das ganz nach einer geplanten akademischen Laufbahn mit Promotion klingt, habe ich direkt nach meinem Studium bei der WBS TRAINING in Mönchengladbach als Referent für Berufliche Bildung begonnen. Nach meinem Wechsel an den Standort Hamburg habe ich meine Präsenzausbildung zum Heilpraktiker gestartet. Hier hat sich dann auch ein ganz neuer Lebensentwurf für mich entwickelt.

Was hat dich besonders geprägt?

Während meines Zivildienstes nach dem Abitur hatte ich einen schweren Verkehrsunfall. So schlimm wie es klingt, hat mir das tatsächlich die Augen geöffnet und mir gezeigt, nur das zu tun, was mich wirklich interessiert und was ich möchte.

Deshalb habe ich auch sehr viel Zeit meines Lebens bereits im Ausland verbracht und viele verschiedene Kulturen kennengelernt: Ich habe 2 Jahre die Schule in Mexiko besucht, Praktika in Südamerika absolviert, viele Urlaube in Asien verbracht und mehrmonatige Reisen durch Australien und den Nahen Osten gemacht. Das bereichert mich unglaublich und öffnet mir auch in meinem Job immer wieder die Augen.

Ausbildung zur Heilpraktiker:in
Benjamin genießt internationale Reisen und lernt gerne andere Länder und Kultur kennen. (Foto: Benjamin Spörer/WBS SCHULEN)

Wie ist bei dir der Wunsch entstanden, in der Naturheilkunde zu arbeiten?

Dieser Wunsch ist tatsächlich erst während der Ausbildung zur Heilpraktiker:in entstanden. Ein Freund aus dem Studium fragte mich zu Beginn der Ausbildung: „Du hast sechs Jahre an der Universität verbracht und machst jetzt eine Ausbildung, um eine Praxis zu eröffnen?“ Meine Antwort war damals: „Verabschiede dich doch mal von dem Gedanken, dass man nur lernt, um später damit Geld zu verdienen.“

Um es kurz auszudrücken: Ich wollte alles über den menschlichen Körper wissen und verstehen, warum die Dinge sind, wie sie sind.
Nachdem ich dann bereits so viel Arbeit in diese Ausbildung investiert hatte, war es für mich klar, dass ich auch die Prüfung mit Erfolg abschließen werde. Erst zum Ende der Ausbildung wurde für mich der Lebensentwurf, selbstständig in der eigenen Praxis zu arbeiten, zunehmend attraktiver. Gleichwohl war mir lange nicht klar, welche Therapieform mein Schwerpunkt sein würde. Es hat ein wenig gedauert, bis ich in die Chiropraktik gefunden habe. Dort angekommen wusste ich aber sofort, dass das das Richtige für mich ist.

Was ist die wichtigste persönliche Eigenschaft, die eine Heilpraktiker:in braucht?

Neben der Freude im direkten Kontakt mit Menschen zu arbeiten ist es aus meiner Sicht die Bereitschaft non stop an sich selbst zu arbeiten. Es gibt nichts, was eine therapierende Person in der Arbeit mehr behindert als das eigene Ego.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir bzw. als Heilpraktiker:in aus?

Ich selbst sehe mich heute vor allem als Chiropraktiker und weniger als Heilpraktiker. Der Arbeitsalltag einer Chiropraktiker:in weicht dann doch sehr stark von jenem einer Heilpraktiker:in ab. Je nach Schwerpunkt der Praxis geht zum Beispiel ein Termin in der Homöopathie 1 bis 2 Stunden, bei der Osteopathie 45 bis 60 Minuten und in der Chiropraktik hingegen lediglich zwischen 5 und 15 Minuten.

An den Tagen, an denen nur Folgetermine stattfinden, schaffe ich mir in meiner Praxis einen optimalen Space, um konzentriert meinen Flow aufrechtzuerhalten. Sprich die Patient:innen kommen rein, werden begrüßt und legen sich gleich auf die Liege. Ich checke und justiere sie und gebe ab und an noch ein paar Hausaufgaben mit. In der Regel verlässt die Patient:in bereits nach 15 Minuten die Praxis wieder.

Das liegt aber daran, dass mein Arbeitsauftrag sehr spezifisch ist und meine Patient:innen nicht zu mir kommen, damit ich sie heile. Der Großteil hat schon eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Therapien hinter sich. Die Chiropraktik ist oftmals die letzte Anlaufstelle. Umso größer ist dann die allgemeine Verwunderung, mit wie wenig Aufwand und wie schnell auf einmal eine Verbesserung eintritt.

Ausbildung zur Heilpraktiker:in
Beim Erstgespräch erfolgt die Analyse des Status Quo mit einer exakten Vermessung der Körperhaltung. (Foto: Benjamin Spörer/WBS SCHULEN)

Erzähl mal, was sind die Highlights am Beruf als Heilpraktiker:in?

Das Highlight schlechthin ist die Chance, Menschen relativ schnell von ihren Schmerzen und Problemen befreien zu können oder zumindest eine zügige Linderung der Symptome herbeizuführen. Die Situationen, in denen ich die Verwunderung und Dankbarkeit in den Gesichtern meiner Patient:innen erkenne, sind einfach Gold wert.

Vor kurzem kam beispielsweise ein junger Mann zu mir mit zwei Bandscheibenvorfällen in der Lendenwirbelsäule. Er konnte vor Schmerzen kaum laufen. Nach der Erst-Untersuchung habe ich ihm zunächst die Halswirbelsäule und die obere Brustwirbelsäule justiert. Als er dann von der Liege aufstehen sollte, um sich vom Rücken auf den Bauch zu legen, liefen bei ihm bereits die Tränen vor Erleichterung, da der Schmerz schon sehr nachgelassen hatte. Dabei hatte ich seinen unteren Rücken noch gar nicht angefasst.

Was gefällt dir am besten an deinem Beruf?

Als Chiropraktiker erkenne ich an, dass die Welt bunt und jeder Mensch individuell ist und sich nicht immer alles erklären lässt. Ich bin davon überzeugt, dass der Körper ein Wunderwerk ist, der selbst die extremsten Zustände meistern kann. Voraussetzung ist aber immer die Anpassungsfähigkeit, die nur durch ein störungsfreies Nervensystem gegeben ist.
Als Chiropraktiker ist es mir im Grunde egal, was für Beschwerden meine Patient:in hat. Mein Auftrag ist sehr spezifisch. Ich checke die Menschen auf Subluxationen (fixierte Fehlstellungen in einem Gelenk, die eine Nervenstörung verursachen) und justiere diese. Der Ablauf ist im Prinzip immer der gleiche, egal, ob jemand über Schwindel klagt, Rückenschmerzen hat, Doppelbilder sieht oder einfach nur vorsorglich kommt, um das eigene Potential zu vergrößern. Nicht ohne Grund lassen sich Spitzensportler:innen wie z.B. Michael Jordan, Tiger Woods, Usain Bolt oder auch Robert Lewandowski regelmäßig justieren.

Wie läuft die Ausbildung zur Vorbereitung auf die amtsärztliche Überprüfung zur Heilpraktiker:in ab?

Im Rahmen von 20 Modulen lernen die Teilnehmer:innen im Prinzip den ganzen Körper kennen. Es werden alle Organsysteme und die entsprechenden Krankheiten besprochen. Damit die Teilnehmenden von Beginn an dran bleiben und den Lernstoff selbst nacharbeiten, ist jedes Modul mit einer Prüfung versehen. Darüber hinaus simulieren wir in einer Zwischenprüfung und in einer Abschlussprüfung die reale Prüfungssituation. Diese Simulationen der Prüfungssituationen beim Gesundheitsamt sind bewusst gesetzte Stresstests.

Neben dem wöchentlichen Live-Unterricht von vier Stunden sind die Teilnehmer:innen angehalten noch weitere zehn Zeitstunden zur Nacharbeit zu investieren.

Wie sieht die Prüfung zur Erlangung des Titels aus? Hast du Tipps zum Bestehen?

Die Prüfungen bei den Gesundheitsämtern sind im Prinzip alle gleich: Zunächst gilt es die schriftliche Überprüfung zu bestehen. Hier sitzt man mit vielen anderen Prüflingen in einem riesigen Raum und hat innerhalb von zwei Stunden 60 Fragen im Multiple-Choice-Verfahren zu beantworten. Werden 75% richtig beantwortet, wird man zur mündlich-praktischen Überprüfung zugelassen.

Die mündlich-praktische Überprüfung ist wiederum stark abhängig von der/die prüfenden Amtsarzt/Amtsärztin und wie gut die zu prüfende Person vorbereitet ist. Am Ende will der/die Amtsarzt/Amtsärztin natürlich sicher sein, dass von der künftigen Heilpraktiker:in keine Gefahr für die Volksgesundheit ausgeht. Sprich gerät die zu prüfende Person ins Stocken oder wird unsicher, so ist es garantiert, dass genau hier nachgebohrt wird. Macht der Prüfungsteilnehmende einen eklatanten Fehler, der eine Gefahr für eine Patient:in bedeuten könnte, so ist die Prüfung in der Regel beendet und somit nicht bestanden.

Die gute Nachricht ist allerdings, dass man die Überprüfung so oft antreten kann wie man möchte. Mein persönlicher Tipp für alle, die an der Überprüfung teilnehmen möchten ist, sich so oft wie möglich extremen Stresstests zu unterziehen. Selbstredend muss man den Stoff maximal präsent haben. Die meisten scheitern allerdings nicht, weil sie nicht gelernt haben, sondern, weil sie das Wissen in der Stresssituation der Prüfung nicht abrufen und strukturiert kommunizieren können. Daher sind aus meiner Sicht Stresstests unabdingbar, die deshalb auch als fester Bestandteil in die Ausbildung bei den WBS SCHULEN integriert worden sind.

Welche beruflichen Möglichkeiten hat man nach der Prüfung? Wie sehen die Perspektiven als Heilpraktiker:in aus?

Im Prinzip kann man gleich nach der bestandenen Überprüfung mit der eigenen Praxis durchstarten. Ob und inwiefern das sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Denn in der Heilpraktiker:innen-Ausbildung liegt der Fokus zu 100% auf der Überprüfung beim Gesundheitsamt. Der/die Amtsarzt/Amtsärztin prüft nicht, ob du eine gute Therapeut:in bist und hat von den unterschiedlichen Therapieansätzen (z.B. Homöopathie, Osteopathie, etc.) nur wenig Ahnung.

Ich persönlich würde auch davon abraten, eine Therapeut:innen-Ausbildung zu machen bevor man die Zulassung hat. Denn erst während der Ausbildung erhält man einen umfassenden Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten. Auch eigene Präferenzen und thematische Schwerpunkte können sich noch ändern. Deshalb folgt im Großteil der Fälle nach der Ausbildung zur Heilpraktiker:in eine entsprechende Therapieausbildung.

Was ist dir aus deiner Ausbildungszeit besonders positiv in Erinnerung geblieben?

Auch wenn ich mich oftmals abends zum Unterricht gequält habe, ist das sofort in Vergessenheit geraten, weil es mir einfach unglaublich Spaß gemacht hat, alles über den menschlichen Körper zu erfahren.

Chiropraxis
Chiropraktik-Training in lockerer Atmosphäre. (Foto: Benjamin Spörer/WBS SCHULEN)

Welches Klischee über Heilpraktiker:innen würdest du gerne sofort aus der Welt räumen?

Heilpraktiker:innen erscheinen vor allem im medialen und politischen Diskurs immer wieder in einem schlechten Licht. Das Traurige hier ist die fehlende Differenzierung beziehungsweise die stupide Verallgemeinerung. Es gibt gute und schlechte Therapeut:innen – sowohl unter Heilpraktiker:innen als auch unter Ärzt:innen.

Mich persönlich stört diese fortwährende Gegenüberstellung von Schulmedizin und Naturheilkunde. Wir müssen in der Gesellschaft starten, ganzheitlich zu denken und versuchen, das Problem und nicht das Symptom zu beheben. Dafür sollten Schulmedizin und Naturheilkunde stets Hand in Hand gehen.

Die Beliebtheit alternativer Heilmethoden steigt. Immer mehr Patient:innen entscheiden sich für eine Behandlung durch eine Heilpraktiker:in. Erlebst du diesen Trend auch? Wie hat sich die Nachfrage bei dir und deinen Kolleg:innen in den letzten Jahren verändert?

Naja in der Medizin gilt das universelle Gesetz „ Wer heilt, hat Recht“. Den Menschen ist es, glaube ich, am Ende egal, was genau die Therapeut:in macht, Hauptsache der eigene Zustand verbessert sich. Und da der Heilungserfolg von Akupunktur, Chiropraktik und weiteren alternativen Heilmethoden so überzeugend ist, füllen sich die entsprechenden Praxen immer mehr. Viele meiner Mentor:innen und Kolleg:innen behandeln teilweise über 100 Patient:innen in der Woche und haben Wartezeiten für Neupatient:innen von mehreren Wochen. Die Zukunftsaussichten sind deshalb meiner Meinung nach sehr positiv, vor allem, wenn die nötige Akzeptanz für den ganzheitlichen Ansatz immer mehr Fuß in Deutschland fasst.


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