Die Weiterbildung zum Technischen Redakteur ist beliebt, denn der Beruf ist gefragt. Ein Fachverband zertifiziert

Von unserer Trainerin Mechthild Henneke, zuerst erschienen in der Berliner Zeitung am 16. September 2014

Die junge Germanistin startete zwar in der PR-Branche, doch kurze Zeit später wechselte sie in ein Ingenieurbüro. Dort lernte die heute 29-jährige Katharina Günther den Beruf des Technischen Redakteurs kennen. „Er liegt an einer Schnittstelle zwischen Fachinformation und der Information, die für die Kunden von Bedeutung ist“, sagt sie. „Ich bin quasi Übersetzerin von Fachlatein – das finde ich interessant.“ Günther machte eine Weiterbildung zur Technischen Redakteurin und fand kurze Zeit später eine Stelle in einem großen Berliner Industriebetrieb.

Globalisierung

Günther hat einen Berufsweg beschritten, der in den letzten Jahren immer attraktiver geworden ist. Produkte und ihre technischen Funktionen werden komplexer und müssen dem Nutzer erklärt werden. Durch die Globalisierung kommen mehr ausländischen Produkte auf den Markt, deren technische Dokumente übersetzt und den unterschiedlichen Märkten angepasst werden müssen. Außerdem stehen immer mehr Kanäle für technische Dokumente bereit: zum Beispiel Apps oder Anleitungen im Internet.

„Qualifizierte Technische Redakteure werden international gesucht“, erklärt Gregor Schäfer, Sprecher der Tekom, des Fach- und Berufsverbands für Technische Kommunikation. Er nennt noch einen weiteren Grund für den gestiegenen Bedarf an Personal: „Technische Produkte gibt es heute in einer Vielzahl von Varianten zu kaufen, und die Produktlebenszyklen werden kürzer.“ Schäfer berichtet, dass der Bedarf an Technischen Redakteuren allein in diesem Jahr auf rund 3 500 Stellen geschätzt werde. „Aufgrund zukünftiger wirtschaftlicher und technischer Entwicklungen ist zu erwarten, dass es sich weiterhin um einen Medienberuf mit Zukunft handelt“, erklärt Schäfer weiter.

Die Tekom zertifiziert

Katharina Günther begann eine Weiterbildung bei WBS Training, einer Einrichtung, die Online-Lehrgänge für Technische Redakteure anbietet. Neben zahlreichen privaten Instituten gibt es entsprechende Studiengänge auch an Universitäten, wie der Universität Rostock oder der Hochschule Technik &Wirtschaft in Karlsruhe. Die Ausbildung orientiert sich nach Informationen der Tekom am Prozess der Erstellung Technischer Dokumentationen: „Jeder einzelne Prozessschritt erfordert Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten“, erklärt Schäfer.

Die zentralen Kenntnisse sind die Analyse der Anforderungen, etwa der rechtlichen Anforderungen und der Zielgruppen, außerdem die Konzeptentwicklung und das Projektmanagement. Hinzu kommen das professionelle Schreiben sowie die Medienproduktion und das Publishing. Außerdem erwerben Technische Redakteure Wissen über Distribution, Monitoring und Feedback. Computerkenntnisse etwa im Bereich Content Management sind ebenfalls Teil der Ausbildung. Die Tekom zertifiziert Technische Redakteure. Dazu gehören eine Prüfung und eine umfangreiche schriftliche Arbeit.

Praktikum nützlich

Bei der WBS besteht der Lehrgang aus neun Monaten Vollzeitunterricht in einem Schulungszentrum oder in Einzelfällen auch von zu Hause aus. Anschließend machen die Teilnehmer ein zweimonatiges Praktikum, um das neu erworbene Wissen umzusetzen. In dieser Zeit erstellen sie häufig auch die schriftliche Arbeit für die Tekom. „Außerdem geht es natürlich darum, einen potenziellen Arbeitgeber kennenzulernen“, erklärt Andine Lange, die bei WBS Training für die Lehrgänge zuständig ist. Nach der Praktikumsphase wird der Lehrstoff noch einmal aufgefrischt, und anschließend geht es zur Prüfung bei der Tekom.

Die Zertifizierung sei „eine formelle Anerkennung“ für das Wissen über Technische Dokumentation, erklärt Schäfer. „Unabhängig von Teilnahmebestätigungen der Bildungsinstitute attestiert es durch eine Berufsprüfung, die von Experten, meist Hochschulprofessoren abgenommen wird, objektiv die Qualifikation.“ Lange erklärt, dass das Interesse an der Weiterbildung seit ihrer Einführung 2009 groß sei. „Es wächst immer weiter, was sich an den bisher immer vollen Kursgruppen abzeichnet.“

Unabhängig von Alter

Die Teilnehmer kommen aus den verschiedensten Berufsfeldern – „vom Germanisten bis hin zum Piloten“. Auch was ihr Alter betrifft, sind sie sehr gemischt: von Mitte 20 bis zum mittleren Alter. Ein Teilnehmer war bereits weit über 50 Jahre alt. Katharina Günther ist froh, die Weiterbildung gemacht zu haben. „Ich habe viel Theorie gelernt, die ich jetzt in die Praxis umsetzen kann“, erklärt sie. In ihrem ersten Job als Technische Redakteurin wurde sie gleich voll in die Projektarbeit integriert. „Ich kann mein Wissen gewinnbringend einsetzen“, sagt sie stolz und fügt hinzu: „Ich fühle mich sehr wohl, und die Arbeit macht Spaß.“

Internationales Zertifikat

Technische Dokumentation spielt vor allem im Maschinen- und Anlagenbau, in der Medizintechnik, in der Softwareentwicklung und bei Konsumgütern eine Rolle. Unternehmen dokumentieren darin alle relevanten technischen Prozesse. Auch der Gesetzgeber und die Europäische Union stellen Anforderungen. So müssen aufgrund des Produktsicherheitsgesetzes ein Prozess dokumentiert und die Übereinstimmung (engl. Compliance) mit gängigen Normen nachgewiesen werden.

Rechtliche Konsequenzen drohen, falls dies nicht passiert. So sind Unternehmen auf Experten für Technische Kommunikation mit entsprechenden Rechts- und Normenkenntnissen angewiesen.

Der Fach- und Berufsverband für Technische Kommunikation, die Tekom, hat in mehr als zehn Jahren weit über 1000 Personen zertifiziert. Jährlich kommen etwa 120 neue Absolventen hinzu. 2013 gründete die Tekom den Europäischen Fachverband für Technische Kommunikation (Tekom Europe). Seit 2012 zertifiziert sie Personen aus verschiedenen europäischen Ländern sowie aus Japan, Indien und China. Bislang haben international etwa 150 Teilnehmermit dem Zertifikat abgeschlossen.

Mehr zur Weiterbildung Technischer Redakteur bei der WBS TRAINING finden Sie hier.

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