Mehr Wissen, mehr Verantwortung und mehr Geld: Wer eine Aufstiegsfortbildung erfolgreich absolviert, wertet seinen Lebenslauf mit Abschlüssen wie Fachwirt, Meister oder Betriebswirt auf und qualifiziert sich auf schnellem Wege für eine Position im Management – z. B. als Projekt- oder Abteilungsleiter. Interessenten können sich zwischen berufsbegleitenden und Vollzeitangeboten entscheiden und haben sogar die Möglichkeit, die Aufstiegsfortbildung online zu absolvieren.

Für wen sich eine Aufstiegsfortbildung lohnt, wie man diese finanzieren kann und was es noch zu beachten gibt, erklärt uns Franziska Brendel im Interview. Sie betreut gemeinsam mit ihrem Team den Bereich Aufstiegsfortbildungen bei WBS AKADEMIE und weiß, worauf es ankommt.

Franziska Brendel, Expertin für Aufstiegsfortbildungen, lehnt an einer Wand.
Franziska Brendel, Expertin für Aufstiegsfortbildungen bei der WBS AKADEMIE

Frau Brendel, was genau ist eine Aufstiegsfortbildung mit IHK-Abschluss?

Eine Aufstiegsfortbildung ist eine Weiterbildung auf Bachelor- beziehungsweise Master-Niveau, die konkret auf Menschen mit Berufserfahrung zugeschnitten ist. Mit dem staatlich anerkannten IHK-Abschluss in der Tasche sind Absolventen für eine Führungsposition im mittleren bis oberen Management qualifiziert.

Ich erkläre das gern an einem Beispiel. Stellen Sie sich eine junge Frau Anfang 30 vor. Die Dame hat eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert. Seit über 10 Jahren arbeitet sie jetzt in dem Job, beim selben Arbeitgeber. Mit der Zeit wird sie immer unzufriedener. Der Alltag ist stets ähnlich, die Aufgaben schon lange keine Herausforderung mehr und das Gehalt ist schlecht –  ohne eine wirklich bessere Perspektive. Sie denkt sich: „Das kann es doch nicht gewesen sein. Ich möchte mehr.“

Und dieses MEHR bedeutet mehr Verantwortung, beispielsweise als Teamleiterin, und natürlich mehr Gehalt. Jetzt kommt die IHK-Aufstiegsfortbildung, in diesem konkreten Fall der Wirtschaftsfachwirt, ins Spiel. Aufstiegsfortbildungen sind in zahlreichen Branchen möglich, z. B. in den Bereichen Wirtschaft, Medien, Personal, Gesundheit oder Logistik und Verkehr.

Für wen eignen sich Aufstiegsfortbildungen?

Die Zielgruppe ist tatsächlich sehr bunt, umfasst alle Branchen und Männer und Frauen gleichermaßen. Unsere Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Ob Büroangestellte, Pflegepersonal im Schichtdienst, Kassierer, LKW-Fahrer oder Ausbilder einer Werkstatt – für all diese Menschen lohnt sich eine Aufstiegsfortbildung. Interessant ist die Weiterbildung auch für Studienabbrecher, die per Quereinstieg ihren Weg ins Berufsleben gefunden haben. Sie können mit der Fortbildung einen Abschluss auf Bachelor-Niveau nachholen.

Mehr noch: Absolvieren sie anschließend den Betriebswirt, sichern sie sich sogar einen Abschluss auf Master-Niveau. Egal, wer zu uns kommt, die meisten haben gemeinsam, dass sie über Berufserfahrung verfügen und nicht mehr auf der Stelle treten, sondern sich beruflich weiterentwickeln möchten. Unsere Aufgabe als Bildungsanbieter ist es dann, das richtige Angebot für jeden zu finden.

Das heißt, Sie bilden die Führungskräfte von morgen aus?

Nicht nur. Fachwirte und der Betriebswirt sind gut geeignet, um Führungsaufgaben zu übernehmen. Das liegt vor allem an den betriebswirtschaftlichen Inhalten der Ausbildung. Die Fortbildungen sind aber auch für Angestellte und Selbstständige empfehlenswert, die bereits in einer Führungsposition arbeiten und sich zusätzliches Wissen und einen offiziellen Abschluss aneignen möchten.

Zu uns kommen auch Menschen, die Karriere nicht mit einer Position als Führungskraft verbinden. Sie möchten Spezialisten auf ihrem Gebiet werden. Das betrifft, z. B. häufig Bilanzbuchhalter und Personalfachkaufleute, die im Anschluss durch ihr neues, tiefes Fachwissen ein wertvoller Schatz für Unternehmen sind.

Welche Voraussetzungen benötigen Interessenten?

Ich unterscheide an dieser Stelle gern zwischen formalen und persönlichen Voraussetzungen. Die rein formalen Zulassungsvoraussetzungen der IHK bestehen aus einer einschlägigen Berufsausbildung plus ein paar Jahren Berufserfahrung. Die exakten Kriterien unterscheiden sich von Weiterbildung zu Weiterbildung. Diese erfährt man bei der zuständigen IHK oder bei uns.

Wer keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, kann diese durch Berufserfahrung ersetzen. Das ist eine tolle Chance. Neben den formalen Kriterien spielt die persönliche Einstellung eine wichtige Rolle. Eine Aufstiegsfortbildung nimmt – vor allem, wenn sie berufsbegleitend stattfindet – viel Zeit in Anspruch. Spaß am Lernen, Durchhaltevermögen und ein klares Ziel vor Augen sind unabdingbar.

Wie sind im Anschluss die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Unserer Erfahrung nach und auch den Ergebnissen offizieller IHK-Umfragen zufolge – arbeiten Fachwirte wenige Jahre nach dem Abschluss in deutlich besser bezahlten, verantwortungsvollen Positionen. Oft agieren sie als Bindeglied zwischen der leitenden und der operativen Ebene, denn dank ihrer Berufserfahrung und der Weiterbildung kennen sie beide Seiten sehr gut. Gerade Personaler und Arbeitgeber schätzen Arbeitnehmer mit Fachwirtausbildungen zunehmend in ihrer Rolle als Vermittler zwischen Wirtschaftsexpertise und Branchenwissen.

Wie findet man den passenden Bildungsanbieter?

Es gibt einen wahren Dschungel an Angeboten und Lernformen. Ratsam ist es, sich zwei bis drei Anbieter intensiver anzusehen und zu vergleichen: Findet ein persönliches Beratungsgespräch statt und was sagt mein Bauchgefühl? Sind Lehrmaterialien, die teilweise bis zu 300 Euro kosten können, im Preis inbegriffen? Gute Anbieter kennen die Zulassungsvoraussetzungen der IHK und finden im persönlichen Gespräch gemeinsam mit dem Interessenten die richtige Weiterbildung. Zudem sollten Interessenten sich fragen: Welche Form des Lernens passt zu mir? Die Wahl kann auf Vollzeit oder berufsbegleitend fallen, auf Präsenz oder online, auf Selbststudium oder begleitetes Lernen.

Kleiner Tipp am Rande: Fragen Sie nach kostenfreien Schnupperstunden und probieren Sie die Lernform selbst aus. Generell gilt: Eine Fortbildung steht und fällt mit der Erfahrung, dem Wissen und dem Können der Dozenten. Fragen Sie in dem Beratungsgespräch nach: Welchen Background haben die Dozenten? Ich z . B. denke ein Trainer sollte fundierte Berufserfahrung im Thema und als Dozent vorweisen können. Idealerweise ist er oder sie Mitglied in IHK-Prüfungsausschüssen und weiß dadurch, was in der Prüfung gefordert wird. Ein kompetenter Anbieter, dem das Karriere- und Lernziel seiner Kunden am Herzen liegt, wird transparent und offen auf all diese Fragen eingehen.

Was kann man sich unter einer Online-Aufstiegsfortbildung vorstellen?

Im Grunde verlaufen die Online-Seminare nicht viel anders als herkömmliche Präsenzseminare. Mit Laptop und Headset loggen sich die Teilnehmer zu den Kursterminen in ein Online-Lernportal – eine Art virtuelles Klassenzimmer – ein und tauschen sich dort mit ihrem Trainer und den anderen Teilnehmern aus. Bei uns bekommen die Teilnehmer auf Wunsch ein Tablet und Headset für den leichten Start in die Fortbildung.

Die Trainer nutzen ihre Kamera, Whiteboards und Präsentationen, um die Inhalte der Weiterbildung zu vermitteln. Jeder kann zu jeder Zeit Fragen stellen, mit den anderen kommunizieren und sich an den Diskussionen beteiligen. Aufgaben werden individuell oder in Gruppenarbeiten gelöst. Das Lernen ist sehr interaktiv und lebt vom Miteinander. Für mich ist es immer wieder spannend zu sehen, wie fest die Seminargruppen zusammenwachsen. Sie treffen sich in Lerngruppen außerhalb der Unterrichtszeiten und halten häufig auch privat Kontakt, weit über die Zeit der Weiterbildung hinaus.

Was sind die wichtigsten Vorteile einer Live-Online-Aufstiegsfortbildung?

Der größte Vorteil ist das ortsunabhängige Lernen. Egal wo: ob Zuhause auf der Couch, im Büro oder im Hotel – man kann immer am Unterricht teilnehmen und spart sowohl Fahrtkosten, als auch die Fahrtzeit. Gleichzeitig ist das Lernen flexibler. Fortbildung, Privatleben und Beruf lassen sich somit perfekt vereinen. Auch Personen, die nicht in unmittelbarer Nähe eines Anbieters wohnen, profitieren von Online-Kursen. Gerade in ländlichen Gebiet ist der nächste Vor-Ort-Anbieter oft weiter entfernt. Ein weiteres Plus sind bei uns die Aufzeichnungen des Unterrichts. Wer mal nicht teilnehmen kann, schaut sich den Unterricht als Video an und arbeitet die Inhalte selbst nach. Sollten dann noch Fragen aufkommen, steht der Dozent mit Rat und Tat zur Seite.

Wie kann eine Aufstiegsfortbildung finanziert werden?

Die gängigste Möglichkeit eine Aufstiegsfortbildung zu finanzieren ist das Aufstiegs-BAföG, mit dem bis zu 64 Prozent der Seminargebühren gefördert werden können. Das BAföG ist relativ einfach zu bekommen und fast jeder kommt dafür in Frage. Sehr viele unserer Kunden werden aber auch durch ihren Arbeitgeber finanziell unterstützt. Ich lege deshalb jedem Interessierten ans Herz, den Wunsch nach einer Weiterbildung mit dem Vorgesetzten zu besprechen. Unsere Erfahrung ist, dass viele Unternehmen gerne in die Zukunft ihrer wertvollen Mitarbeiter investieren. Darüber hinaus gewähren viele Bildungsanbieter mittlerweile kostenfreie Ratenmodelle für eine monatliche Finanzierung. Grundsätzlich gilt, die Kosten für eine Aufstiegsfortbildung sind steuerlich absetzbar.

Eignet sich eine Aufstiegsfortbildung für Arbeitsuchende?

Für viele Menschen ist die Zeit der Arbeitsuche ein Wendepunkt in ihrem Leben. Eine Aufstiegsfortbildung kann genau der richtige Schritt für einen beruflichen Neuanfang bzw. den Wiedereinstieg in den Job sein. Die formalen Voraussetzungen für die Zulassung zur IHK-Prüfung sind dieselben wie für Berufstätige. Es gibt sehr gute Vollzeitseminare, die innerhalb weniger Monate auf die IHK-Prüfung vorbereiten. Die Seminare lassen sich durch einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters fördern. Wer einen konkreten Weiterbildungswunsch hat und einen Bildungsgutschein dafür benötigt, informiert sich am besten bei seinem persönlichen Arbeitsvermittler und bei dem Anbieter seines Vertrauens.

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