Wo man auch hinschaut: Pflegekräfte werden in Deutschland händeringend gesucht. Als Folge des akuten Fachkräftemangels wird qualifiziertes Pflegepersonal allerorts stark nachgefragt. Jetzt schon heiß begehrt, werden Altenpflegekräfte in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Denn unsere Gesellschaft wird immer älter und somit gibt es immer mehr pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren, die auf Unterstützung angewiesen sind. Ganz klar: Die Altenpflegeausbildung ist eine Ausbildung mit Zukunft.

Mit voller Azubi-Kraft gegen den Pflegenotstand

Wenngleich die Arbeit als Altenpfleger/-in körperlich sowie seelisch fordernd sein kann, ist sie doch erfüllend und sinnstiftend wie kaum ein anderer Beruf. Und ebenso wichtig wie die Altenpflegekräfte selbst, sind die Ausbilderinnen und Ausbilder, die junge Menschen dazu befähigen, der Pflegetätigkeit mit viel Kompetenz und Herz nachzugehen.

Stephanie Österreicher (24) macht bei den WBS SCHULEN genau das. Sie hat nach ihrer Altenpflegeausbildung den Perspektivwechsel vom Azubi zur Lehrerin gewagt. Nachdem sie ihre Leidenschaft für die Arbeit mit älteren pflegebedürftigen Menschen entdeckt, absolviert sie bei den WBS SCHULEN die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin. Mittlerweile unterrichtet Sie als Ausbilderin selbst Schülerinnen und Schüler. An der Berufsfachschule für Sozialwesen in Dresden gibt sie ihr Fachwissen nun an junge angehende Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter weiter.

Im Interview erzählt sie, wie es dazu kam, dass sie die Schulbank gegen das Lehrerpult eingetauscht hat und warum ihr Herz für den Pflegeberuf und die Lehrtätigkeit schlägt.

Von der Schulbank ans Lehrerpult: Stephanie erzählt, wie sie den Perspektivwechsel gemeistert hat.
Stephanie (24) hat den Sprung von der Schülerin zur Lehrerin gemacht. Jetzt gibt sie ihr Fachwissen an Schülerinnen und Schüler der WBS SCHULEN weiter.

Stephanie, an welchem Punkt in deinem Leben befandest du dich, als du dich für die Altenpflegeausbildung entschieden hast?

Ich hatte gerade mein Abitur in der Tasche, war als Pflegehelferin in einer stationären Seniorenpflegeeinrichtung angestellt und habe auf den Ausbildungsbeginn als Rettungsassistentin gewartet. Jedoch hat mir die Arbeit mit den Senioren und Seniorinnen so gut gefallen, dass ich mich nach ein wenig Hin- und Herüberlegen für die Ausbildung in der Altenpflege entschied. Mein ehemaliger Arbeitgeber war daran nicht ganz unschuldig, da er mich in gewisser Weise darum bat, die Ausbildung bei ihm zu absolvieren. Da meine Einrichtung Kooperationspartner der WBS SCHULEN ist, kam ich nun als Schülerin das erste Mal mit den Ausbildungsmöglichkeiten dort in Kontakt.

Wann hat es bei dir „Klick“ gemacht und dir war klar, dass du selbst Lehrkraft werden möchtest?

Ich schätze, das war ungefähr zum Ende meines zweiten Lehrjahres. Im dritten Lehrjahr zog ich diesen Weg dann endgültig für mich in Betracht. Mein Plan war jedoch eigentlich ein anderer: Ich wollte ursprünglich nach meinem Abschluss noch ein Jahr als Pflegefachkraft in der Altenpflege tätig sein, um Berufserfahrung zu sammeln. In der Zeit wollte ich für mich feststellen, wie es beruflich weitergehen wird.

Und wie ging es für dich schließlich weiter?

Es standen mehrere Möglichkeiten für mich zur Auswahl: Unter anderem interessierten mich auch die Palliativpflege, ein Medizinstudium oder die Ausbildung zur Notfallsanitäterin – und auch die Lehrtätigkeit. Mir war bis dahin nicht klar, dass ich diesen Beruf auch als Quereinsteigerin ausüben kann. Deshalb war ich sehr überrascht, als mich wenige Tage vor meiner Abschlussfeier meine Klassenleitung Frau Kniola anrief und mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, selbst zu unterrichten. Dieser Anruf hat schließlich dazu geführt, dass ich den Weg von der Schülerin zur Lehrkraft so schnell gegangen bin.

Wie war es, das erste Mal auf der „anderen Seite“ zu stehen und zu unterrichten?

Ich war natürlich sehr aufgeregt. Dennoch war es mir aufgrund meiner Hobbys nicht völlig unbekannt, Wissen weiter zu geben. Ich bin nämlich seit meiner Kindheit im Pferdesport tätig. Bis zu meinem 15. Lebensjahr habe ich aktiv voltigiert. Mit 13 Jahren habe ich meine erste Trainingsgruppe bekommen und diese für Wettkämpfe vorbereitet und mit 16 schließlich meinen Übungsleiter Breitensport absolviert. Als Voltigier-Trainerin arbeite ich bis heute und habe aktuell rund 30 Kinder und Jugendlich, die ich trainiere. Seit meinem achten Lebensjahr reite ich außerdem und teile auch da gern Wissen in Form von Trainingseinheiten, die ich Freunden gebe. Dank dieser ganzen Erfahrungen habe ich mich recht schnell wohl in der Lehrerrolle gefühlt.

Was schätzt du am meisten am Lehrerberuf?

Ich schätze sehr daran, dass ich die Schülerinnen und Schüler auf einem kleinen Abschnitt ihres Weges in das Berufsleben begleiten und ihnen meine Erfahrung mitgeben darf. Dafür erhalte ich von den Schülerinnen und Schülern viel Dankbarkeit zurück – das ist ein tolles Gefühl.

Das klingt sehr erfüllend! Gibt es auch etwas, dass dir manchmal auf die Nerven geht?

Am Lehrerberuf selbst geht mir eigentlich nichts auf die Nerven. Wie überall und immer ist es aber natürlich so, dass es auch mal stressige Zeiten gib. Für uns Lehrer sind das z. B. die Zeiträume der Prüfungen, Notenschluss und ähnliches. Genau in diesen Zeiten türmt sich dann ein zu klärendes Problem nach dem anderen auf – anstatt über das Jahr verteilt.

Wenn gerade mal keine Prüfungen anstehen, steht das Unterrichten in der Klasse auf deiner Tagesordnung. Welche Fächer unterrichtest du zurzeit?

Aktuell unterrichte ich bei den Azubis im Bereich Sozialassistenz das sogenannte Lernfeld 5, welches sich inhaltlich ausschließlich mit der Unterstützung von pflegebedürftigen Menschen beschäftigt. Das heißt, dass ich anhand theoretischer Grundlagen von Anatomie und Physiologie sowie den pflegerelevanten rechtlichen Aspekten die praktische Pflege veranschauliche.

Wer hat dich während deiner Ausbildungszeit am meisten geprägt?

Zum einen haben mich verschiedene Lehrkräfte geprägt. Sowohl die sehr guten, als auch diejenigen, die mir vor Augen geführt haben, wie man als Lehrer/-in nicht sein sollte – und wie ich selbst nicht sein möchte. Aber auch die Kollegen/-innen in meiner ehemaligen Einrichtung haben einen wesentlichen Anteil dazu beigetragen, mich zu prägen.

Hast du ein Motto oder einen Leitsatz, der dich beim Unterrichten begleitet?

Ein konkretes Motto habe ich nicht. Mein Fokus liegt einfach darauf, dass ich auch im Unterricht immer ich selbst bleibe.

Was macht in deinen Augen eine gute Lehrerin/einen guten Lehrer aus?

Meines Erachtens machen eine gute Lehrkraft mehrere Aspekte im Zusammenspiel aus. Ich denke, Struktur bei der Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil, aber auch Echtheit und Transparenz gehören mit dazu. Wie in jedem Beruf spielen auch die selbstkritische Betrachtung, sowie die Fähigkeit, Kritik von außen anzunehmen, eine wichtige Rolle. Vor allem im Zusammenhang mit der Bereitschaft, Veränderungen oder Vorschläge anzunehmen. Ein gesunder, angemessener Humor darf natürlich auch nicht fehlen. 🙂

Was war dein bisher schönster Moment bei den WBS SCHULEN?

Da gibt es viele schöne Momente! Einer dieser Momente war die Verabschiedung meiner Klasse, bei der ich gemeinsam mit einer Kollegin die Klassenleitung innehatte. Mit dieser Klasse gab es am Anfang ein paar kleine Startschwierigkeiten. Ein Grund dafür war vermutlich der geringe Altersunterschied zwischen mir und den Schüler/-innen und meine damals noch fehlende Berufserfahrung als Lehrkraft. Nach und nach gelang dann aber die Beziehungsgestaltung und ich wurde mit vielen lobenden Worten verabschiedet.

Vielen Dank, Stephanie, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und Spaß an deiner Lehrtätigkeit.

Artikelbild von Element5 Digital

Ein Kommentar

  1. Erfahrungen lernen Erfahrungen! Die Perspektive ist recht endlos. Die Arbeitschancen haben keine schlechten Aussichten. Für meine Nichte soll dies vom Interesse und sehr lehrreich sein. Werde sie mit dem Interview bekannt machen.

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